Gaius Julius Caesar
Was ist ein Triumphzug?
Ein vom Senat bewilligter Triumphzug war an genaue Regeln gebunden, der Feldherr musste von seinen Soldaten per Akklamation zum Imperator gewählt werden, während der Senat über die Leistungen und die Würdigkeit des Antragstellers debattierte, musste dieser vor der Stadt mit seinem Heer warten. War der Triumphzug bewilligt, ging er über eine festgelegte Route vom Marsfeld durch die Porta Triumphalis, das Forum Boarium, weiter durch den Circus Maximus, über das Forum Romanum zum Kapitol, wo der Triumphator vor dem Tempel des Jupiter ein feierliches Opfer darbrachte. Die Strecke war von jubelnden Menschen gesäumt. Voran schritten die Senatoren, Magistrate und Musiker, dann auf einem Wagen eine bildhafte Darstellung des Sieges. Auch die unterlegenen Feinde wurden zur Schau gestellt, wie auch die Kriegsbeute, weiter folgten geschmückte Opfertiere und Ehrengaben. Am Ende des Zuges fuhr der Triumphator in einer Quadriga (Vierspänner), begleitet von Liktoren mit lorbeerumwundenen Rutenbündeln. Der Triumphator trug die purpurne Toga (toga purpurea), eine bestickte Tunika (tunica palmata), einen Lorbeerkranz (corona triumphalis), in der linken Hand einen langen Elfenbeinstab mit Adler an der Spitze und in der Rechten einen Lorbeerzweig. Sein Gesicht war, nach dem Vorbild der Ton-Statue des Jupiter auf dem Kapitol, mit Mennige rot gefärbt. Hinter dem Triumphator stand ein Sklave auf dem Wagen, der versuchte, eine geheiligte, goldene Eichenlaubkrone über dem Haupt des Geehrten zu halten, während er pausenlos dem Triumphator ins Ohr flüsterte:“ Sieh dich um; denke daran, dass auch du nur ein Mensch bist!“
Was ist eine Ovatio?
Der Geehrte musste sich zu Fuss auf den Weg zum
Kapitol machen, gekleidet in die senatorische Toga mit nur einem schmalen Streifen
Purpur. Die Corona triumphalis blieb ihm verwehrt, er musste sich mit einem
Myrtenkranz zufrieden geben. Statt eines Stieres wurde ein Schaf geopfert.
Der mit allen Wassern gewaschene Julius Caesar.
Cäsar blieb etwa ein Jahr in Griechenland, vor allem
studierte er beim bekanntesten Rethoren Apollonius Molon die Kunst der
Beredsamkeit. Molon lehrte seine Schüler, Reden schlicht und verständlich zu
halten. Üblich war zu seiner Zeit der „asianische Stil“, der verschnörkelte
Redewendungen und komplizierte Reden vorsah. Der grichische Gelehrte lehnte
diesen Stil ab und forderte das einfache Wort. Auf dem Stundenplan standen: Langes
Reden ohne Notizen, Reden in der freien Natur, die Aufmerksamkeit der Menge
erhalten und gegen die Menge anzusprechen, sowie Gestik und Haltung.
Nach dem Tod des Tyrannen Sulla ging Caesar nach Rom
zurück, um seine Kariere als popularer Politiker aufzunehmen. Er begann, wie
damals üblich, als öffentlicher Ankläger und Mitglied der vigintisexviri (26
Männer), der Vorstufe des Cursus Honorum. Als Ankläger erregte Caesar durch
einen Prozess wegen Erpressung gegen Cornelius Dolabella, einen Anhänger
Sullas, grosse Aufmerksamkeit und bewies damit erneut seine Opposition zum
Lager der Optimaten. Zwar verlor er den Prozess, aber seinem guten Ruf bei den
Popularen tat dies keinen Abbruch. Fast im Jahresrhythmus ist Caesar zum Quästor
in Spanien, kurulischer Ädil, Pontifex Maximus, Praetor, Propraetor in Hispania
Ulterior und endlich zum Senator aufgestiegen, gleichzeitig sicherte er sich
die Zuneigung des Volkes durch aufwändige Spiele. Seine Wahl zum Konsul würde
wohl am Widerstand der aristokratischen Senatoren scheitern. Deshalb gründete
Caesar mit Marcus Licinius Crassus und Gnaeus Pompeius Magnus einen heimlichen
Dreimännerbund (später offizielles Triumvirat). Er wollte die Forderungen
seiner Bundesgenossen durchsetzen, wenn sie ihm zur konsularischen Macht
verhelfen würden. Pompeius war durch seine grossen Erfolge im Osten den
Senatoren zu mächtig geworden. Sie verweigerten ihm das Land, das er seinen
Veteranen versprochen hatte, weiter wollte der Senat jede Entscheidung, die
Pompeius auf seinem langen Feldzug gefällt hatte, nachträglich untersuchen, was
ihn der Lächerlichkeit preisgegeben hätte. Crassus dem Dritten im Bunde, ging
es um militärische Ehren, obwohl er kein besonders guter Feldherr war, forderte
er ein Heer, um im Osten weitere Gebiete zu unterwerfen. Dafür war er bereit,
Caesars immense Schulden zu bezahlen. Der Coup gelang, Caesar wurde Konsul.
Die Helvetier unterwegs in den warmen Süden.
Um nach diesem Treffen die übrigen Scharen der Helvetier
einholen zu können, liess Cäsar eine Brücke über die Saône schlagen und führte
so das Heer hinüber. Bestürzt über seine plötzliche Ankunft schickten die
Helvetier Gesandte zu ihm; denn sie sahen, dass er den Übergang, den sie selbst
mit Anstrengung in zwanzig Tagen bewerkstelligt, in einem Tag bewirkt hatte. An
der Spitze dieser Gesandtschaft stand Divico, im Krieg gegen die Römer unter
Cassius einst helvetischer Feldherr. Dieser äusserte gegen Cäsar, wenn das
römische Volk die Helvetier friedlich behandeln würde, so wollten die Helvetier
an den Ort ziehen und dort ruhig bleiben, wohin sie Cäsar versetzen und wo er
sie ansiedeln würde. Wäre man aber gesonnen, die Feindseligkeiten gegen sie
fortzusetzen, so möge sich Cäsar der früheren Niederlage der Römer und der
ererbten Tapferkeit der Helvetier erinnern. Dass er einen Teil ihrer Scharen
überrascht habe, während die anderen bereits jenseits des Flusses ihren
Landsleuten keine Hilfe hätten leisten können, deswegen möge er kein zu grosses
Gewicht auf die römische Tapferkeit legen oder die Helvetier verachten. Sie
hätten von ihren Vätern und Urvätern gelernt, sich mehr in der Tapferkeit als
in der List mit anderen zu messen oder in Nachstellungen ihre Stärke zu suchen.
Er möge also nicht zulassen, dass ihr derzeitiger Standpunkt durch eine
Niederlage des römischen Volkes und die Vernichtung des römischen Heeres
berüchtigt oder unvergesslich werde. Hierauf erwiderte Cäsar, er müsse sich umso
weniger bedenken, als ihm die von den helvetischen Gesandten erwähnten
Ereignisse bewusst seien, und jene Niederlage ihm umso schmerzlicher sei, je
weniger das römische Volk sie verdient hätte… Wenn er nun auch von jener
früheren Schmach absehen wolle, so müsse er doch fragen, ob er wohl die
neuerlichen Beleidigungen auch vergessen könne, dass sie gegen seinen Willen
mit Gewalt den Durchzug durch die Provinz versucht, dass sie die Häduer, die
Ambarrer und die Allobroger feindlich behandelt hätten. Wenn sie sich aber
ihres Sieges so übermütig rühmten und sich wunderten, wie die Römer so lange
die Beleidigungen ohne Rache erduldeten, so deute dies auf ein und die selbe
Sache hin; die unsterblichen Götter pflegten nämlich denjenigen Menschen, die
sie für ihre Frevel bestrafen wollten, zuweilen grösseres Glück und längere Straffreiheit
zu gestatten, damit sie den Wechsel des Schicksals desto schmerzlicher
empfänden. Des ungeachtet solle Frieden zwischen ihm und den Helvetiern sein,
wenn sie durch Geiseln die Erfüllung ihres Versprechens verbürgten und den
Häduern, wie auch deren Bundesgenossen, für die verübten Feindseligkeiten und
in
Divico antwortete, die Helvetier hätten von ihren Vorfahren die Gewohnheit ererbt, Geiseln zu empfangen, nicht zu geben. Davon sei das römische Volk Zeuge. Nach dieser Antwort entfernte er sich. Am folgenden Tag brachen die Helvetier von dort auf. Das selbe tat Cäsar, indem er seine Reiterei, gegen viertausend Mann, die er aus der ganzen Provinz, aus dem Land der Häduer und ihrer Bundesgenossen aufgeboten hatte, vorausgehen liess, um zu sehen, nach welcher Richtung der Feind seinen Zug nehme. Diese Reiterei verfolgte jedoch den Nachzug der Helvetier zu hitzig und liess sich in einer ungünstigen Stellung in ein Treffen ein, wobei auf römischer Seite einige fielen. Durch dieses Gefecht übermütig gemacht, begannen die Feinde, die mit fünfhundert Reitern eine so zahlreiche Reiterei geworfen hatten, sich kecker zu widersetzen und von ihrer Nachhut aus die Römer wiederholt anzugreifen. Cäsar suchte seine Leute von einem Treffen zurückzuhalten, und begnügte sich für den Augenblick, den Räubereien und verheerenden Streifzügen der Feinde Einhalt zu tun. Auf diese Weise rückte man etwa fünfzehn Tage lang weiter, indem die Nachhut des Feindes und die Vorhut der Römer nur fünf bis sechs Meilen voneinander entfernt waren. Inzwischen hatten die Helvetier ihre Scharen bereits durch den Engpass und das Land der Sequaner bis in das Gebiet der Häduer geführt und waren dabei, ihre Felder zu verheeren. Als die Häduer sich und ihre Habe nicht mehr vor ihnen schützen konnten, schickten sie Gesandte an Cäsar und baten um Hilfe: Die Häduer hätten sich zu jeder Zeit um das römische Volk so verdient gemacht, dass sie es nicht verdient hätten, dass fast unter den Augen des römischen Heeres ihre Felder verwüstet, ihre Kinder in die Sklaverei geschleppt und ihre Städte genommen würden. Zur selben Zeit meldeten auch die Ambarrer, Freunde und Stammesverwandten der Häduer, ihre Felder seien verwüstet; kaum könne man noch von den Städten den Sturm der Feinde abwehren. Ebenso nahmen die Allobroger, die am rechten Ufer der Rhône Dörfer und Besitzungen hatten, ihre Zuflucht zu Cäsar und trugen vor, ausser dem Grund und Boden ihrer Felder sei ihnen nichts mehr übrig. Auf diese Nachricht entschied sich Cäsar, nicht zu warten, bis die Helvetier erst die ganze Habe seiner Bundesgenossen verzehrt hätten und in das Land der Santonen eingedrungen wären“. (Caes.Gall.4,5.)
Beichtvater Caesar.
„Unterdessen verlangte Cäsar dringend Tag für Tag von
den Häduern das Getreide, das sie öffentlich zu liefern versprochen hatten.
Weil nämlich, wie früher bemerkt, das Keltenland nördlich liegt, war wegen der
kalten Jahreszeit nicht bloß auf den Feldern noch kein Getreide reif, sondern
man hatte nicht einmal genug Futter. Auch
konnte Cäsar nicht auf das Getreide, das er sich selbst auf der Saône
nachführen liess, zurückgreifen, weil die Helvetier ihre Richtung seitwärts von
diesem Fluss genommen hatten und Cäsar sich nicht von ihnen trennen wollte. Die
Häduer verschoben die Sache von einem Tag zum andern, indem sie erklärten, das
Getreide werde gerade eingefahren, geliefert, sei fast schon da. Als Cäsar sah,
dass man ihn zu lange hinhielt und die Zeit bevorstand, dass er den Soldaten
Proviant zuteilen musste, rief er die vielen Häuptlinge der Häduer, die in
seinem Lager waren, zu sich, unter ihnen auch Diviciacus und Liscus, der damals
dem höchsten Staatsamt vorstand, das bei den Häduern Vergobret genannt wird,
jedes Jahr wechselt und Gewalt über Leben und Tod der Bürger hat. Diesen machte
er heftige Vorwürfe, dass man ihn in so dringlicher Lage, wo man Lebensmittel
weder für Geld haben noch vom Feld nehmen könne, nicht unterstütze, während die
Feinde so nahe ständen. Dass man ihn so im Stich lasse, darüber beklagte er
sich um so nachdrücklicher, weil er grossenteils besonders auf ihre Bitten in
diesen Krieg eingetreten sei.
Diese Rede Cäsars bewog nun endlich Liscus, sein
bisheriges Schweigen zu brechen und zu erklären, gewisse Leute hätten bei der Masse
seiner Landsleute ungemein grossen Einfluss und könnten als Privatleute mehr
ausrichten als selbst die Regierung. Diese Menschen suchten durch aufwiegelnde
und verbrecherische Reden das Volk von der schuldigen Getreidelieferung dadurch
abzuhalten, dass sie erklärten, es wäre besser, die anderen Kelten über sich
herrschen zu lassen als den Römern untertan zu sein, wenn nun einmal die Häduer
selbst das Übergewicht im Keltenland nicht mehr behaupten könnten: ohne
Zweifel, würden die Römer, sobald sie die Helvetier besiegt hätten, in
Verbindung mit den übrigen Kelten auch den Häduern ihre Freiheit rauben. Dies
seien die selben Leute, die den Helvetiern die Pläne der Römer und alles, was
im römischen Lager vorgehe, meldeten; er selbst vermöge sie nicht in Schranken
zu halten; ja er sehe ein, welcher Gefahr er sich dadurch aussetze, dass er die
Sache notgedrungen enthülle. Nur deshalb habe er so lange wie möglich
geschwiegen. Cäsar merkte, dass diese Rede des Liscus auf Dumnorix, den Bruder
des Diviciacus, zielte. Weil er aber nicht wollte, dass die Sache in Gegenwart
mehrerer weiter besprochen werde, entliess er die Versammlung alsbald; nur
Liscus behielt er bei sich und fragte ihn allein über das, was er in der
Versammlung erklärt hatte.
Liscus sprach mit mehr Freimut und ohne Rückhalt.
Cäsar aber, der auch noch andere Personen insgeheim befragt hatte, fand
folgende Tatsachen bestätigt: gerade Dumnorix sei das Hindernis, ein höchst
verwegener, wegen seiner Freigiebigkeit beim Volk sehr beliebter und zu Unruhen
geneigter Mann. Derselbe habe die Zölle und alle übrigen Steuern der Häduer für
eine Reihe von Jahren um ein geringes Pachtgeld in seinen Händen; denn wenn
dieser biete, so wage niemand ein Gegengebot. Dadurch habe er sich bereichert
und große Mittel zur Freigiebigkeit erworben; er unterhalte auf eigene Kosten
eine bedeutende Zahl Reiter und habe diese immer um sich. Doch nicht bloss in
seiner Heimat, auch bei den anderen Völkerschaften vermöge er sehr viel. Zum
Zweck solcher Übermacht habe er seine Mutter bei den Biturigen an den dort
vornehmsten und mächtigsten Häuptling verheiratet; seine eigene Gattin sei aus
Helvetien, seine Halbschwester von mütterlicher Seite und seine übrigen
weiblichen Verwandten habe er unter anderen Völkerschaften verehelicht. Die
Helvetier begünstige und liebe er wegen jener Schwägerschaft besonders, die
Römer aber und Cäsar hasse er überdies aus persönlichen Rücksichten; denn beim
Eindringen der Römer sei seine Übermacht geschwächt worden und sein Bruder
Diviciacus wieder zum Genuss seines früheren Einflusses und Ansehens gelangt.
Stosse den Römern ein Unglück zu, so habe er die grösste
Hoffnung, durch die Helvetier zur Alleinherrschaft zu gelangen; wenn sich die
Herrschaft der Römer halte, so müsse er nicht bloss an der Erringung der
königlichen Herrschaft, sondern sogar an der Erhaltung seines Einflusses
bezweifeln. Bei weiterem Ausfragen erfuhr Cäsar auch, dass es Dumnorix sei, der
bei dem unglücklichen Reitertreffen vor einigen Tagen zuerst mit seinen eigenen
Reitern die Flucht ergriff und dadurch die übrige Reiterei in Bestürzung
brachte. Dumnorix befehligte nämlich die Reiterei, die die Häduer den Römern
als Hilfe ins Feld gestellt hatten. Als zu diesen durch Erkundigung
wahrgenommenen Verdachtsumständen noch unleugbare Tatsachen kamen, dass nämlich
Dumnorix die Helvetier durch das Land der Sequaner geführt, die gegenseitige Stellung
von Geiseln vermittelt, dies alles nicht bloß gegen Cäsars und seiner Mitbürger
Befehl, sondern auch ohne ihr Wissen getan hatte und die Obrigkeit der Häduer
ihn anklagte, so glaubte Cäsar hinlänglich Grund zu haben, ihn entweder selbst
aufs schwerste zu bestrafen oder solche Bestrafung von den Mitbürgern zu
verlangen. Allen diesen Dingen stand nur der eine Umstand entgegen, dass Cäsar
des Diviciacus, des Bruders von Dumnorix, höchste Ergebenheit gegen das
römische Volk, dessen vortreffliche Gesinnung gegen seine eigene Person, sowie
seine ausgezeichnete Treue, Gerechtigkeit und Mässigung aus Erfahrung kannte.
Durch die Hinrichtung des Dumnorix fürchtete er aber bei Diviciacus Anstoss zu
erregen. Bevor er deshalb einen entscheidenden Schritt tat, liess er diesen vor
sich rufen. Ohne Beisein der gewöhnlichen Dolmetscher besprach er sich mit ihm
durch seinen Vertrauten, Gaius Valerius Troucillus, einen angesehenen Mann des
römischen Gallien, auf welchen er in allen Stücken das grösste Zutrauen setzte;
dabei erinnerte er an die Äusserungen, die in des Diviciacus eigener Gegenwart
in der Versammlung der gallischen Häuptlinge über Dumnorix gemacht wurden, und
eröffnete ihm, was jeder im einzelnen bei ihm gesondert über ihn ausgesagt
habe. Mahnend stellt er deshalb an ihn das Verlangen, sich nicht beleidigt zu
fühlen, wenn nach Untersuchung der Sache er selbst das Urteil über seinen
Bruder fälle oder die Häduer dazu aufforderten.
Diviciacus brach in Tränen aus, umfasste Cäsar und
flehte, er möge gegen seinen Bruder nicht allzu hart verfahren. Er wisse wohl,
dass jenes wahr sei, und niemand falle es schwerer als ihm; denn Dumnorix sei
erst durch ihn gestiegen, da er bei den Häduern und im übrigen Gallien den
grössten Einfluss, Dumnorix aber wegen seiner jungen Jahre fast kein Ansehen
geniesse. Dieser Macht und dieser Kräfte bediene sich nun der Bruder zur
Verminderung seines bisherigen Ansehens und fast zu seinem gänzlichen Untergang.
Gleichwohl wirke bei ihm die Liebe zum Bruder und die öffentliche Meinung. Wenn
Cäsar denselben hart strafe, so werde niemand glauben, dass dies nicht auf
seinen Wunsch geschehen sei, da er Cäsars Freundschaft in so hohem Grade
besitze; dann aber würden sich die Gemüter in ganz Gallien von ihm abwenden.
Als Diviciacus so unter Tränen und mit vielen Worten bat, nahm ihn Cäsar bei
der Hand, beruhigte ihn und forderte ihn auf, nicht weiter zu flehnen.
Am selben Tag meldeten die Kundschafter, die Feinde hätten acht Meilen vom Lager am Fuss eines Berges Halt gemacht. Cäsar liess nachforschen, wie der Berg beschaffen und wie er ringsum besteigbar sei. Auf die Nachricht, dass er leicht erstiegen werden könne, gab er um die dritte Nachtwache dem obersten Legaten Titus Labienus Befehl, mit zwei Legionen die Höhe des Berges zu ersteigen und die selben Leute als Führer zu gebrauchen, die den Weg vorher untersucht hatten. Zugleich teilte er ihm seinen Plan mit. Er selbst brach um die vierte Nachtwache auf dem Weg, den die Feinde genommen hatten, gegen ihr Lager auf und liess seine ganze Reiterei den Vortrab bilden. Vorausgeschickt wurde mit den Spähern Publius Considius, der als sehr erfahrener Kriegsmann galt und früher im Heer des Lucius Sulla, später in dem des Marcus Crassus gedient hatte. Es war Tagesanbruch. Labienus hielt die Anhöhe des Berges besetzt. Cäsar selbst war vom Lager der Feinde nur noch anderthalb Meilen entfernt, ohne dass diese etwas von Labienus oder Cäsars Annäherung bemerkt hatten, wie man später von den Gefangenen erfuhr. Da sprengte Considius mit verhängten Zügeln gegen Cäsar heran und meldete, den Gipfel, den er Labienus zu besetzen befohlen hätte, hielten die Feinde; davon habe er sich durch die gallischen Waffen und Feldzeichen überzeugt.
Cäsar führte seine Truppen auf den nächsten Hügel und stellte sie in Schlachtordnung. Labienus, der die Anhöhe wirklich besetzt hatte, wartete auf die Römer und liess sich in keinen Kampf ein; denn Cäsar hatte ihm verboten, ein Treffen zu beginnen, wenn er nicht seine Truppen nahe beim feindlichen Lage erblickt hätte, damit auf einmal von allen Seiten ein Angriff auf die Feinde geschehe. Endlich, als es schon längst Tag war, berichteten die Kundschafter Cäsar, dass nicht nur die Römer unter Labienus den Berg besetzt, sondern auch die Helvetier ihr Lager verlassen hätten. Considius aber habe in Furcht und Bestürzung Dinge als gesehen gemeldet, die er nicht gesehen. An diesem Tag folgte Cäsar den Feinden in der gewöhnlichen Entfernung und schlug sein Lager drei Meilen weit von ihnen auf.“ (Caes.Gall.4,9ff.)
Die grossmäuligen Helvetier
werden kleinlaut.
„Folgenden Tages wendete er sich von den Helvetiern
weg und zog gegen Bibracte, die grösste und reichste Stadt der Häduer, von der
er nur achtzehn Meilen entfernt war; in zwei Tagen musste er nämlich unter seine
Leute Lebensmittel austeilen und deshalb auf Vorrat bedacht sein. Dies erfuhren
die Helvetier durch Überläufer des Lucius Aemilius, der eine Schar gallischer
Reiter befehligte. Sie gaben ihren Plan auf, nahmen gleich einen anderen Weg
und verfolgten und beunruhigten die Römer des Nachtrabs; mochten sie nun der
Meinung sein, die Römer zögen aus Furcht hinweg, besonders da sie am vorigen
Tag die Anhöhen besetzt und doch kein Treffen gewagt hätten; oder machten sie
sich Hoffnung, ihnen die Lebensmittel abschneiden zu können. Sobald Cäsar dies
wahrnahm, führte er sein Heer auf den nächsten Hügel und schickte die Reiterei
ab, um dem Angriff der Feinde zu begegnen. Er selbst bildet in der Mitte aus
den vier alten Legionen eine dreifache Schlachtreihe, während er ganz oben auf
dem Gipfel über sich die jüngst im diesseitigen Gallien gebildeten zwei
Legionen samt allen Hilfstruppen aufstellte und so den ganzen Berg mit Leuten
füllte. Das Gepäck der einzelnen liess er mittlerweile auf einem Platz
zusammentragen und denselben durch die Truppen verschanzen, die in der obersten
Schlachtreihe aufgestellt waren. Die Helvetier, die mit all ihren Wagen
folgten, brachten ihr Gepäck an einem Ort zusammen, warfen in dichtester
Schlachtstellung die römische Reiterei zurück, bildeten einen festgeschlossenen
Haufen und rückten gegen die vordere Schlachtreihe der Römer den Berg hinan. Cäsar
liess zuerst sein Pferd, dann die Pferde aller übrigen weit wegführen, um die
Gefahr für alle gleich zu machen und ihnen die Hoffnung der Flucht zu nehmen.
Dann ermunterte er seine Legionen zur Tapferkeit und begann die Schlacht. Das
Fussvolk schleuderte die Wurfgeschosse von der Anhöhe herab und durchbrach mit
leichter Mühe den Schlachthaufen der Feinde. Sobald dieser gesprengt war,
machte man einen Angriff mit gezogenem Schwert. Die Helvetier waren bei dem
Kampf sehr im Nachteil, weil die schweren Wurfgeschosse der Römer meist mehrere
Schilde auf einmal durchbohrten und aneinander hefteten. Hatte sich nun einmal
das Eisen gebogen, so konnte man weder die Waffe herausziehen noch bequem
kämpfen, weil der linke Arm, der den Schild trug, behindert war. Viele warfen
deshalb, nachdem sie den Arm lange hin- und hergezerrt ihren Schild weg und fochten
mit entblösstem Körper.
Durch Wunden erschöpft wichen die Feinde endlich und
zogen sich auf einen Berg zurück, der etwa tausend Schritte entfernt lag. Als
sie den Berg besetzt hatten und die Römer ihnen nachrückten, fielen die Boier
und Tulinger, die mit etwa fünfzehntausend Mann den Zug der Feinde beschlossen
und ihren Rücken deckten, während des Marsches den Römern in die offene Flanke
und schlossen sie ein. Kaum sahen dies die Helvetier, die sich auf den Berg
zurückgezogen hatten, als sie wieder vordrangen und die Schlacht erneuerten.
Die Römer machten eine Schwenkung und wendeten ihre Feldzeichen nach zwei
Richtungen, indem die zwei ersten Schlachtlinien sich den geschlagenen und
geworfenen Helvetiern entgegenstellten, die dritte den andringenden Boiern und
Tulingern Widerstand leistete. Lange und heftig war diese Doppelschlacht. Als
aber der Feind den Angriff der Römer nicht länger aushalten konnte, zogen sich
die einen, wie vorher, auf die Anhöhe, die anderen (Boier und Tulinger)
wendeten sich zum Gepäck und zu den Wagen; denn niemand konnte den Feind eigentlich
fliehen sehen, obwohl die ganze Schlacht von ein Uhr nachmittags bis zum Abend
gedauert hatte. Bis tief in die Nacht hielt auch der Kampf bei dem Gepäck an,
weil die Feinde ihre Wagen als einen Wall gegen die anrückenden Römer
vorgeschoben hatten und von der Anhöhe herab Geschosse auf sie schleuderten.
Manche schossen auch mit ihren leichten Wurfspießen zwischen den Wagen und
Rädern durch und verwundeten Cäsars Leute. Erst nach langem Kampf bemächtigten
sich die Römer des Gepäcks und des Lagers. Hier wurde die Tochter des Orgetorix
und einer seiner Söhne gefangen; etwa 130.000 Feinde überlebten dieses Treffen.
Diese zogen in der selben Nacht unablässig weiter, machten in den folgenden
Nächten nie längeren Halt und kamen so am vierten Tag in das Gebiet der
Lingonen, während die Römer wegen der Verwundeten, und um ihre Toten zu
begraben, drei Tage auf der Stelle bleiben mussten, ohne sie verfolgen zu
können.
Durch schriftliche Befehle und mündliche Botschaften
untersagte Cäsar den Lingonen, die Helvetier mit Getreide oder sonst wie zu
unterstützen, und erklärte, wenn sie es doch täten, werde er sie gleich den
Helvetiern als Feinde behandeln. Er selbst brach nach einer Unterbrechung von
drei Tagen mit seinem ganzen Heer auf, um sie zu verfolgen. Die Helvetier
schickten aus Mangel an allem Gesandte zu Cäsar, um sich zu ergeben. Sie trafen
ihn auf dem Marsch, warfen sich ihm zu Füssen und baten in demütigen Worten und
unter Tränen um Frieden. Cäsar befahl, ihre Landsleute sollten an dem Ort, wo
sie im Augenblick ständen, seine Ankunft erwarten; was auch geschah. Als er
selbst dorthin kam, verlangte er von ihnen Geiseln, sowie ihre Waffen und alle
römischen Sklaven, die etwa zu ihnen geflohen waren. Die Helvetier, Tulinger
und Latobriger mussten auf seinen Befehl in ihre verlassene Heimat
zurückkehren. Weil sie aber dort nach dem Verlust aller Früchte nichts vorrätig
hatten, um ihren Hunger zu stillen, befahl er den Allobrogern, sie mit dem
nötigen Getreide zu versorgen. Sie selbst mussten die Städte und Dörfer wieder
herstellen, die sie verbrannt hatten. Dies verfügte Cäsar besonders deshalb,
weil er nicht wollte, dass der von den Helvetiern verlassene Landstrich leer
stehe, aus Furcht, es möchten die Germanen des rechten Rheinufers wegen der
vorzüglichen Güte der Felder aus ihrer Heimat in das helvetische Gebiet ziehen
und so Nachbarn des römischen Gallien und der Allobroger werden. Im Lager der
Helvetier fanden sich Tafeln mit griechischer Schrift, die man Cäsar zustellte.
Auf denselben war ausdrücklich berechnet, wie viel waffenfähige Männer
Helvetien verlassen hatten; ebenso war die Anzahl der Knaben, der Greise und
der Weiber besonders angegeben. Diese Berechnung belief
sich für alles auf 263.000 Helvetier, 36.000 Tulinger, 14.000 Latobriger,
23.000 Rauraker, 32.000 Boier; die Zahl der Waffenfähigen betrug gegen 92.000. Im
ganzen waren es 368.000 Köpfe. Die Anzahl derer, die in die Heimat
zurückkehrten, betrug nach der Zählung, die auf Cäsars Befehl vorgenommen
wurde, 110.000.“ (Caes.Gall.4,12ff.)
Barbarium Germanium.
Auf Caesars Weiterzug der auf gallischer Seite des
Rheins, traf er erstmals auf germanische Stämme, die aus ihrer Heimat
vertrieben wurden und nun jenseits des Rhenus (Rhein) auf gallischem Gebiet
siedeln wollten. Trotz ihrer Beteuerungen, keinen Krieg mit den Römern zu
wollen, griffen sie anderntags die römische Reiterei an. Die Germanen
schlitzten den Pferden die Bäuche auf, die Reiter waren einen Augenblick lang
kampfunfähig, in diesem Moment wurden sie von den Germanen totgeschlagen. „Es kamen
nämlich die Germanen in grosser Anzahl, besonders alle ihrer Häuptlinge und
Ältesten, in der Frühe des folgenden Tages mit gleicher List und Verstellung zu
ihm in sein Lager, teils, wie sie vorgaben, um sich zu entschuldigen, dass sie
am vorigen Tag, gegen die Verabredung und ihr eigenes Ersuchen ein Treffen
(Kampf) geliefert hätten; teils, um, wo möglich, durch List und Trug einen Waffenstillstand
zu erhalten. Cäsar, froh, diese Leute in seiner Hand zu sehen, liess sie im
Lager festhalten. Dann zog er mit seiner ganzen Macht aus, liess aber die
Reiterei, die er durch das letzte Treffen noch in Furcht glaubte, den Nachtrab
bilden.“ (Caes.Gall.4,16ff.)
Die überraschten Germanen, die ihrer Führer beraubt
waren, gerieten in Panik und versuchten grösstenteils zu fliehen, wurden jedoch
von den römischen Reitern eingeholt und niedergemacht. Keine grössere Chance
hatten die, die zu den Waffen griffen. „Die Römer verloren nicht einen Mann,
hatten bloss einige Verwundete und zogen sich so in der Lage aus einem ungemein
gefürchteten Krieg zurück; hatten doch die Feinde aus einer Menschenmasse von
180.000 beim Treffen gestanden! Den Germanen, die im römischen Lager in Gefangenschaft
gehalten wurden, gab Cäsar die Erlaubnis fortzugehen. Allein diese Leute
fürchteten, von den Galliern, deren Gebiet sie verheert hatten, Rache und
martervolle Misshandlung und erklärten ihren Wunsch, bei Cäsar zu bleiben.
Dieser liess sie in Freiheit setzen.“ (Caes.Gall.4,15,1)
Im fernen Rom ging das Ränkeschmieden weiter, doch Caesar
konnte von der Ferne auf die römische Politik Einfluss nehmen und durch sein
nun offizielles Triumvirat die Konsulwahlen mitbestimmen. Weil Caesar die Gesandten
der Germanen hatte verhaften lassen, was nach dem ungeschriebenen Kriegsrecht
der Antike untersagt war, bevor er das germanische Heer überraschend angriff
und besiegte, stellte Cato im Senat den Antrag, Caesar wegen Verstosses gegen
die römische Kriegsethik durch arglistige Täuschung den Germanen auszuliefern.
Caesar dachte über ein weiteres prestigeträchtiges Unternehmen
nach, die Überquerung des Rheins und das Eindringen ins germanische Barbaricum.
Eine Strafexpedition zur Einschüchterung der Bevölkerung und um zu zeigen, dass
jederzeit ein römisches Heer den Rhein überwinden und in Germanien eingreifen konnte.
Zudem kamen Hilferufe von den germanischen Ubiern, die als einzige mit den
Römern einen durch Geiseln bekräftigten Vertrag eingegangen waren, und die
sofort Schiffe zum Übersetzen über den Rhein bereitstellen konnten. Caesar
wollte aber seine selbstentworfene Brücke bauen, da die Strömung zu stark sei,
um sicher mit Kähnen ans andere Ufer zu gelangen. Caesar beschrieb die
Konstruktion der Brücke bis ins letzte Detail in seinem Buch „Bello di Gallo“
(4,17,1).
„Cäsar blieb wenige Tage in ihrem Gebiet, steckte alle
Ortschaften und Gebäude in Brand, mähte die Feldfrucht ab und begab sich zu den
Ubiern zurück, denen er für den Fall einer ferneren Anfeindung durch die Sueben
(Schwaben) seine Unterstützung zusagte. Dagegen erfuhr er von diesen Folgendes:
Nachdem die Sueben vom Bau der Brücke durch Kundschafter erfahren hatten, hätten
sie ihrer Landessitte gemäss eine Versammlung abgehalten und nach allen Richtungen
Boten ausgesandt mit dem Befehl, die festen Plätze zu verlassen, Weiber, Kinder
und alle Habe in die Wälder zu schaffen und mit der ganzen waffenfähigen
Mannschaft an einem Ort zusammenzurücken, wozu man ungefähr den Mittelpunkt des
ganzen Suebenlandes auswählte; dort wollten sie die Ankunft der Römer erwarten
und zu einem entscheidenden Treffen bereit sein. Cäsar, der dies vernahm,
glaubte, für Ruhm und Vorteil genug getan zu haben, da der ganze Zweck seines
Zuges über den Rhein erreicht war, den Germanen Furcht einzujagen, an den
Sugambrern Rache zu nehmen und die Ubier von der Bedrängnis zu befreien. Nach
einem Aufenthalt von vollen achtzehn Tagen zog er sich nach Gallien zurück und
trug die Brücke ab.“ (Caes.Gall. 4,19,1)
Britannia! (55-54 v. Chr.)
Caesars nächstes Husarenstück war die erste Landung von
römischen Truppen in Britannien. Bevor er sich selbst auf das gefahrenvolle
Unterfangen einliess, schickte er einen Vertrauten mit einem Kriegsschiff,
Häfen und Küsten auszukundschaften. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die
Sichtung eines römischen Kriegsschiffes in Britannien. Einige Volksstämme
schickten sofort Gesandte zu Caesar, um ihm ihre Unterwerfung zu bekunden und
dies mit der Übergabe von Geiseln zu festigen. Caesar empfing sie freundlich,
malte ihnen eine glückliche Zukunft unter römischer Herrschaft aus, mahnte sie
aber zur Beständigkeit. Nach nur fünf Tagen kehrte Volusenus von seiner Spähtour
zurück und berichtete Caesar über die Gegebenheiten an der britischen Küste.
Der Spion hatte nicht den Mut, an Land zu gehen und mit der ansässigen
Bevölkerung in Kontakt zu treten. Was Caesar einigermassen enttäuschte. Obwohl
die Soldaten die Zeit für das Winterlager, besonders hier im Norden, für
gekommen hielten, wollte Caesar unbedingt vorher noch den Abstecher nach
Britannien machen. Er hatte bereits die notwendigen 80 Schiffe beschafft, um
mit zwei Legionen die Überfahrt durch den Ärmelkanal und die Landung in
Britannien zu wagen. „Cäsar selbst kam ungefähr um zehn Uhr morgens mit den
ersten Schiffen an der britannischen Küste an und erblickte dort die auf allen
Hügeln aufgestellte Streitmacht der Feinde in den Waffen. Die Örtlichkeit jener
Gegend war aber so beschaffen: eng anliegende Berge schlossen das Meer so sehr
ein, dass man von ihren Höhen mit den Wurfwaffen den Rand der Küste erreichen
konnte. Weil Cäsar diesen Ort gar nicht günstig zur Landung fand, wartete er
bis drei Uhr nachmittags vor Anker auf die Ankunft der übrigen Schiffe.“ (Caes.Gall 4,23,1) Nachdem alle
Schiffe eingetroffen waren, gab Caesar den Befehl, dass auf sein Zeichen sofort
alle Schiffsführer Steuerbord abdrehen und zu einer von Volusenus bereits
rekognoszierten, sieben Meilen entfernten Bucht zu fahren und dort das
Landemanöver auszuführen. Das Ufer der Landestelle war aber viel zu flach für
die grossen, schwer beladenen Schiffe der Römer. So mussten sie weit draussen
die Anker werfen. Zudem tauchten plötzlich Streitwagen und Ritter am Ufer auf,
die Britannier hatten die Absicht Caesars durchschaut. Die Soldaten weigerten
sich, mit der schweren Rüstung, in der Linken das Schild und in der Rechten das
Schwert, ins Wasser zu springen, von dem sie nicht wussten, wie tief es war.
Bis ein junger Bannerträger unter lautstarker Götteranrufung über Bord sprang. Um
nicht wegen Feigheit angeprangert zu werden folgten auch die anderen Soldaten
ihrem Feldzeichen.
„Von beiden
Seiten wurde heftig gekämpft: die Römer gerieten aber in grosse Verwirrung, da
sie weder Reihe und Glied halten, noch festen Fuss fassen, noch ihren Fahnen
folgen konnten, sondern der eine aus dem, der andere aus jenem Schiff sich an
das erste beste Feldzeichen, auf das er stiess, anschloss. Dagegen sprengten
die Feinde, denen alle Untiefen bekannt waren, so wie sie vom Ufer aus einzelne
Römer ihre Schiffe verlassen sahen, mit hängenden Zügeln auf sie los und
griffen sie in dieser nachteiligen Lage an. Viele umringten wenige. Andere
beschossen von ungedeckter Seite die ganze Masse. Cäsar, der dies bemerkte,
liess die Boote der Kriegsschiffe sowie die Wachschiffe bemannen und denen, die
im Gedränge waren, zugehen. Sobald dann die Römer auf dem Trockenen standen und
alle beieinander waren, geschah ein erster Angriff: Man schlug den Feind in die
Flucht, konnte ihn jedoch nicht weiter verfolgen, da es Cäsars Reiterei
unmöglich gewesen war, die Richtung ihrer Schifffahrt zu behaupten um die britische
Insel zu erreichen. Dies allein fehlte ihm zum früheren Kriegsglück.“( Caes.Gall
4,26,1)
Ein heftiger Sturm riss einige von Caesars Schiffen
mit sich. “Dadurch geriet das ganze römische Heer natürlich in die grösste
Verlegenheit, denn man hatte keine anderen Schiffe zur Rückfahrt und besass zur
Ausbesserung der noch übrigen keine Mittel. Auch war in diesen Gegenden nicht
für Lebensmittel für den Winter gesorgt, weil kein Mensch daran zweifelte, dass
man diese Jahreszeit wieder in Gallien zubringen werde.“ (Caes.Gall 4,29,1) Die
britannischen Häuptlinge, die im Lager der Römer festgehalten wurden, bemerkten
das Dilemma, in dem der Gegner steckte, heimlich schlich sich einer nach dem
anderen aus dem römischen Lager und boten ihre Soldaten, trotz abgeschlossenem
Friedensvertrag, auf. Die Britannier wollten die durch den Sturm und der immer
noch fehlenden Reiterei vorübergehende Schwäche des römischen Heeres ausnutzen.
Sie überfielen die 7. Legion beim Abernten des letzten Getreidefeldes der
näheren Umgebung. Ein aufmerksamer Wächter des römischen Lagers erkannte in der
Ferne eine Staubwolke und meldete dies Caesar. Sofort rückte er mit der 8.
Legion aus, um den in arge Bedrängnis geratenen Soldaten der 7ten beizustehen.
Sie fanden die ganze Legion von den britannischen Kämpfern eingekesselt auf dem
halbabgeernteten Getreidefeld. „Als unter solchen Umständen die Römer durch den
ganz ungewohnten Kampf in Bestürzung waren, brachte ihnen Cäsar im wichtigsten
Augenblick Hilfe; denn sogleich bei seinem Erscheinen machte der Feind Halt und
die Römer ermannten sich. Doch schien ihm der Zeitpunkt nicht günstig, um sich
in ein Treffen einzulassen und den Feind zu reizen; deshalb hielt er sich ruhig
in seiner Stellung und führte bald darauf die Legionen in ihr Lager.“ (Caes.Gall
4,32,1)
Rückzug und neuer Angriff.
Mit viel handwerklichem Geschick reparierten die Römer
mit Resten der schwer beschädigten Wracks die noch am besten erhaltenen Schiffe.
Es gelang ihnen, ausser 12 Schiffen, alle wieder seetüchtig zu machen. Nochmals
hatten die entflohenen Häuptlinge ihre Völker überzeugt, dass dies der
entscheidende Augenblick sei, um die geschwächten Römer zu besiegen, nach dem
Sieg über die Römer werde sich wohl niemand mehr in kriegerischer Absicht auf
die Insel wagen. Fast alle kriegstüchtigen Männer folgten ihren Anführern zum
Lager der Römer, welche bereits in Schlachtordnung auf den Gegner warteten. „Kaum
hatte das Treffen begonnen, als die Feinde den stürmischen Angriff der Römer
nicht länger aushalten konnten, sondern die Flucht ergriffen. Man verfolgte sie
so weit, wie es Schnelligkeit und Kräfte zuliessen, und machte eine gute Zahl
von ihnen nieder, zog sich aber wieder ins Lager zurück, nachdem alles bewohnte
Gebiet weit und breit verheert und in Brand gesteckt war.“ (Caes.Gall 4,35,1).
„ Am selben Tag schickten die Feinde Gesandte, um Frieden zu erbitten. Cäsar
erhöhte die früher verlangte Zahl der Geiseln auf das Doppelte und befahl, sie
nach Gallien zu bringen, weil er sich bei der Überfahrt mit seinen
gebrechlichen Schiffen nicht den Stürmen der bevorstehenden Tag- und Nachtgleiche
aussetzen wollte. Dann bekam er günstigen Wind, lichtete bald nach Mitternacht
die Anker und kam mit dem ganzen Geschwader wohlbehalten an der gallischen
Küste an. Doch wurden zwei Frachtschiffe, die nicht mit den übrigen den selben
Hafen erreichen konnten, etwas weiter nach Norden verschlagen.“ (Caes.Gall 4,36,1)
Kaum waren die ersten Kohorten an Land, wurden sie von
den Morinern, mit denen Caesar vor seiner Abfahrt nach Britannien noch Frieden
geschlossen hatte, mit der Absicht auf Beute von der Insel, angegriffen. Die
endlich wieder vorhandene Kavallerie Caesars jagte die Feinde jedoch in die
Flucht und setzte den fliehenden Moriner nach. Bis sie in den Schutz der Wälder
kamen, wurden viele von den römischen Reitern erschlagen. „Hierauf liess Cäsar
alle seine Legionen bei den Belgern (Belgier) das Winterlager beziehen. Dorthin
sendeten ihm zwei britannische Völkerschaften die verlangten Geiseln; die
übrigen alle taten dies nicht. Nach diesen Kriegstaten wurde auf den Bericht
Cäsars durch den Senat ein zwanzigtägiges Dankfest verordnet.“ (Caes.Gall 4,38,1)
Seinen Soldaten gönnte er im Winterlager kaum Ruhe, sie sollten bis zum
Frühjahr so viele Schiffe wie möglich für die Invasion der britannischen Insel
bauen. „Den Massstab und die Form dieser Fahrzeuge bestimmte er (Caesar)
selbst. Um sie nämlich schneller laden und an Land ziehen zu können, liess er
sie etwas niedriger machen als die Schiffe im Mittelmeer zu sein pflegen,
hauptsächlich aber aus dem Grund, weil er bemerkt hatte, dass in dem Meer bei
Gallien wegen des häufigen Wechsels von Ebbe und Flut die Wellen nicht so gross
sind. Um aber desto mehr Lasten und Tiere aufnehmen zu können, musste die
Breite dieser Schiffe etwas bedeutender werden, als dies bei den Schiffen der
Fall ist, deren man sich in den übrigen Meeren bedient. Alle diese Fahrzeuge
liess er zu Schnellseglern machen, wofür die Niedrigkeit sehr günstig ist. Der
Bedarf zu ihrer völligen Ausrüstung musste aus Spanien herbeigeschafft werden.“
(Caes.Gall 5,1,1)
Wie jeden Winter, besuchte Caesar seine Provinzen in
Oberitalien und auf der Balkanhalbinsel. Er hielt dort Gericht, kontrollierte
die Verwaltung und drohte aufständischen Völkerschaften. Danach reiste er nach
Gallien zurück. „Sogleich bei seiner Ankunft besuchte er sämtliche Winterlager
und fand, dass durch den ganz ausgezeichneten Eifer seiner Leute, ungeachtet
des äussersten Mangels an allem, etwa 600 Schiffe der oben beschriebenen Art
und 28 Kriegsschiffe hergerichtet und fast ganz in den Stand gesetzt waren, um
in wenigen Tagen vom Stapel zu laufen. Er erklärte den Soldaten und den
Aufsehern des Geschäftes seine Zufriedenheit, gab ihnen weitere Befehle und
bestimmte zum gemeinschaftlichen Versammlungsort den Hafen Itius, wo, wie er
erfahren hatte, die bequemste Überfahrt nach Britannien war, vom Festland nur
etwa 30 Meilen weit.“ (Caes.Gall 5,2,1) Caesar befürchtete einen gemeinsamen Aufstand
der gallischen Völker, deshalb beorderte er ihre Häuptlinge nach Itius und
eröffnete ihnen, dass sie als Geiseln mit auf den Feldzug nach Britannien
mitkommen müssten. Besonders der vom Freiheitswillen besessene Häduer namens Dumnorix
wollte unter keinen Umständen als Geisel des Caesars mitfahren. „Anfangs versuchte Dumnorix, die Erlaubnis, in Gallien
zu bleiben, durch alle möglichen Bitten zu erwirken, teils weil er an die
Seefahrt nicht gewohnt sei und sich vor dem Meer fürchte, teils weil ihn gewisse
religiöse Gründe abhielten.“ (Caes.Gall 5,6,1) Als alle seine Bitten von Caesar aber abgewiesen
wurden, hetzte er die anderen Häuptlinge auf, gemeinsam zu fliehen und die in
Gallien verbliebenen römischen Truppen anzugreifen. Keiner der Häuptlinge wollte
sich auf das gefährliche Abenteuer einlassen. „Endlich trat günstiger Wind ein,
und Fussvolk und Reiter mussten zu Schiff gehen. Alles war jetzt nur mit der
Abfahrt beschäftigt. Siehe, da verlässt Dumnorix mit den Reitern der Häduer
ohne Cäsars Wissen und Willen das Lager. Kaum hatte Cäsar solches erfahren, als
er die Abfahrt einstellte, alles beiseite legte und den Befehl gab, ein grosser
Teil der Reiterei solle ihm nachsetzen und ihn zurückbringen; mit dem Zusatz,
ihn niederzuhauen, falls er sich zur Wehr setze; er glaubte nämlich, er werde
in seiner Abwesenheit nur Tollheiten anstellen, da er ja schon in seiner
Gegenwart seine Befehle missachte. Dumnorix widersetzte sich wirklich, als man
ihn zurückführen wollte, verteidigte sich mit dem Schwert in der Hand und
flehte die Seinigen bei ihrer Treue um Hilfe an, während er wiederholt laut
rief, er sei ein freier Mann und Bürger eines freien Staates. Cäsars Leute aber
umringten ihn dem Befehl gemäss und hieben ihn nieder; die Reiterei der Häduer
kehrte vollzählig in das römische Lager zurück.“ (Caes.Gall 5,7,1)
Am Morgen wollte Caesar auf die Suche nach den geflohenen Britanniern, als er eine Depesche erhielt in der stand, dass wieder ein Sturm viele seiner Schiffe beschädigt hätten, ja einige seien an den Strand geworfen worden. Caesar liess Halt machen und ein Lager aufbauen, alle Handwerker in der Truppe wurden zur Schiffreparatur abkommandiert. In der Bucht zählte Caesar 40 Schiffe mit Totalschaden, er hoffte, dass mit diesen die weniger lädierten Schiffe wieder seetüchtig gemacht werden können. Zudem sandte er einen Boten zu seinem Stellvertreter Labienus nach Gallien, damit er möglichst viele Schiffe requiriert und sie zu ihm nach Britannien schickt.
Wegen seines schlechten Rufes wählten die Britannier Cassivelaunus
zu ihrem Anführer, er hatte schon fast alle britannischen Völker angegriffen um
sie zu unterwerfen, somit war er der einzige mit Erfahrungen im Angriffskrieg. Erst
hatten die Römer grosse Mühe mit dem unorthodoxen Kampfstil der Britannier, sie
agierten wie Einzelkämpfer, nie in geordneten Gruppen und da sie keine
Rüstungen trugen, waren sie schnell und behände. Wenn sie vom Kampf ermüdet
waren, zogen sie sich in die dichten Wälder zurück und liessen frische Kräfte an
die Front.
„Tags darauf stellten sich die Feinde weit vom Lager
auf den Höhen, zeigten sich nur zerstreut und reizten die Römer hitzig zum
Kampf. Zur Mittagszeit aber, als Cäsar drei Legionen und die gesamte Reiterei
unter dem Befehl des Legaten Gaius Trebonius, um Futter zu holen, abgeschickt
hatte, stürmten die Britannier plötzlich von allen Seiten auf die
Futtersammelnden los und zwar so kühn, dass sie selbst von den Adlern und
Legionen nicht fernblieben. Die Römer aber warfen sie in einem hitzigen Angriff
zurück und verfolgten sie so lange, bis die Reiterei, ermutigt durch die
Unterstützung der Legionen, die ihren Rücken deckten, den Feind in die wildeste
Flucht warf, wobei eine grosse Zahl fiel. Die übrigen aber vermochten nicht,
weder sich zu sammeln, noch sich zu stellen, noch von den Streitwagen
herabzuspringen. Infolge dieser Flucht gingen alle Hilfsvölker, die man
überallher zusammengezogen hatte, sofort auseinander, und die Britannier
kämpften von nun an nicht mehr mit vollständiger Truppenmacht gegen die Römer.“
(Caes.Gall 5,17,1)
„Cäsar, der ihre Absicht erkannte, zog mit seinem Heer
zum Fluss Tamesis (Themse) in das Gebiet des Cassivelaunus. Über diesen Fluss
kann man nur an einem Ort zu Fuß kommen, und auch da nicht ohne Schwierigkeit.
Bei seiner Ankunft fand er ein zahlreiches Heer an dem anderen Ufer des Flusses
in Schlachtordnung aufgestellt; das Ufer war mit hervorstechenden spitzen
Pfählen geschützt, und solche Pfähle waren auch unter dem Wasser verdeckt im
Strom eingerammt. Cäsar, der durch Gefangene und Überläufer davon unterrichtet
wurde, schickte die Reiterei voraus und liess alsbald die Legionen folgen. Die
Soldaten rückten aber, obgleich bis an den Hals im Wasser, so rasch und heftig
vor, dass die Feinde den Sturm der Legionen und Reiterei nicht auszuhalten
vermochten, das Ufer preisgaben und sich der Flucht überliessen.“ (Caes.Gall 5,18,1) Von nun an
folgten die Britannier den Römern nur noch im Schutz der Wälder, wenn aber
Caesars Truppen auseinander gingen um die Felder zu verheeren und die Häuser
anzuzünden, stürzten sie unerwartet aus den Wäldern und griffen die Feinde
rabiat an, bevor sie sich wieder in die Wälder zurückzogen. Wie Cäsar von den Trinobanten,
die sich ihm unterworfen hatten, erfuhr, hatte Cassivelaunus ganz in der Nähe
sein gut getarntes Hauptquartier. „Cäsar brach also mit zwei Legionen auf und
fand den Platz durch Natur und Menschenhand ausnehmend befestigt; dennoch
begann er, ihn von zwei Seiten zu bestürmen. Nur eine kurze Weile leistete der
Feind Widerstand, dann aber hielt er den Andrang der Römer nicht aus und warf
sich auf einer anderen Seite aus seiner Festung. Man traf dort eine Masse Vieh
und viele Feinde wurden auf der Flucht teils ergriffen teils getötet.“ (Caes.Gall 5,21,1) Danach wagte
Cassivelaunus nur noch einen missglückten Angriff auf die Schiffe der Römer,
bevor er aufgab und sich dem Diktat von Caesar unterwarf. Dieser verbot ihm
sämtliche kriegerischen Auseinandersetzungen gegen die bereits zu ihm
übergetretenen Völker. Zudem legte er den Tribut fest, den Britannien jährlich an
Rom zu zahlen hatte.
Da es verbreitet Unruhen in Gallien gab und der Herbst
mit seinen Stürmen sich bereits angekündigt hatte, entschloss sich Caesar sein
Heer zurück nach Gallien zu verlegen. Da es zu wenige Schiffe für das ganze
Heer gab, mussten sie nach gelungener Überfahrt wieder leer zurück fahren um
weitere Soldaten aufzunehmen. Caesar wartete lange auf die zurückkommenden
Schiffe, den meisten gelang die Rückfahrt nicht mehr, wobei Caesar betont, dass
keiner der Lastkähne mit Soldaten an Bord untergegangen sei. Das restliche Heer
musste sich nun auf die vorhandenen Schiffe verteilen, völlig überladen dümpelten
die Kähne über den Kanal.
Aufstand der Gallier. 58-51v. Chr.
Der Sommer in Gallien war heiss und es fiel fast kein
Regen. Nach der Ankunft von Caesars Heer aus Britannien waren kaum
Wintervorräte vorhanden. So sah sich Caesar gezwungen, sein Heer auf
verschiedene Landstriche zu verteilen. Er wartete bis alle ihr Lager erreicht
und befestigt hatten, dann brach er wie gewohnt in seine Provinzen nach
Oberitalien auf. Kaum war Caesar abgereist, überfielen die Gallier gleichzeitig
alle römischen Lager, so dass sie einander nicht zu Hilfe eilen konnte. Der
König der Eburonen, Ambiorix war der Anführer der Gallier, ein durchtriebener
und hinterhältiger Mann. Teils gelang es ihm, die Römer aus ihren befestigten
Lagern zu locken oder sie unerwartet zu erstürmen. In ihrer Not schickten die
Römer eine Depesche zu Caesar, in dem sie dringend um Hilfe baten. Erschreckt
von der Nachricht, kehrte Caesar mit seinem Zug sofort um und sammelte in den
umliegenden Orten die dort stationierten Soldaten zusammen. Als Ambiorix vom Nahen
eines Heeres unter Caesar hörte, brach er die Belagerungen der noch nicht
eingenommenen römischen Winterlager ab und zog mit seinem Heer Caesar entgegen.
„Bei Anbruch des folgenden Tages näherte sich die
feindliche Reiterei dem Lager und begann ein Gefecht mit unseren Reitern. Cäsar
befahl diesen, absichtlich zu weichen und sich ins Lager zurückzuziehen. Zugleich
liess er auf allen Seiten einen etwas höheren Wall um das Lager aufschütten und
die Tore verrammeln; bei diesen Arbeiten mussten seine Leute geflissentlich
sehr viel hin- und herlaufen und sich furchtsam stellen. Durch all dies
verleitet führten die Feinde ihre Truppen hinüber und stellten sich an einem
nachteiligen Ort in Schlachtordnung. Als Cäsar sogar seine Posten vom Wall
zurückgezogen hatte, rückten sie noch näher und beschossen von allen Seiten das
Lager. Zugleich schickten sie ringsum ihre Herolde mit der Ankündigung, wer
Lust habe, zu ihnen überzugehen, gleichviel ob Gallier oder Römer, dem stehe es
bis neun Uhr ohne Gefahr frei; später sei es nicht mehr möglich. Dabei bewiesen sie eine solche Verachtung der
Römer, dass sie im Glauben, man könne durch die Tore, die mit einfachen Reihen
von Rasen nur zum Schein zugelegt waren, nicht einbrechen, sich anschickten,
teils den Wall mit den Händen auseinanderzureißen, teils die Gräben
auszufüllen. Jetzt machte Cäsar einen Ausfall aus allen Toren zugleich und
schlug mit seinen Reitern die Feinde augenblicklich in die Flucht, so dass sich
nicht ein einziger zur Wehr setzte. Den größten Teil machte er nieder, alle
übrigen liess er entwaffnen.“ (Caes.Gall. 5,51,1).
Gegen die germanischen Sueben (Schwaben) die die Gallier bei den Überfällen auf die römischen Winterlager unterstützt hatten, plante Caesar eine Straffaktion. Wieder liess er unter den staunenden Augen der Gallier in wenigen Tagen eine Brücke über den Rhein schlagen und rückte mit drei Legionen in die weiten Wälder Germaniens ein. Die Sueben hatten sich aber mit ihrer ganzen Habe in den hintersten Landzipfel ihres Territoriums zurückgezogen, wo sie die Römer kaum finden konnten. Caesar nutzte die Zeit während seine Soldaten auf der Suche nach Spuren der Sueben waren, die einheimische Tierwelt zu beobachten.
Caesars eigentümliches Tierleben.
Nach langen Jahren von blutigen Schlachten, langwierigen
Belagerungen und hitzigen Gefechten gegen die vereinigten Gallier unter Vercingetorix,
gewinnt Caesar Oberhand und schlägt den allgemeinen Aufstand der Gallier
nieder. „Schliesslich schliesst Caesar Vercingetorix mit seinen 80 Tausend Mann
in Alesia ein. Weil die 240 Tausend Gallier zu Fuss und die 8000 gallischen
Reiter, die von aussen Caesars Verschanzungen angreifen, keinen Erfolg haben
und geschlagen werden, muss Alesia kapitulieren. Vercingetorix liefert sich, um
das Leben seiner Leute zu retten, persönlich an Caesar aus.“ (Caes.Gall.7,68-90)
Auf diesen Bericht Cäsars über die Ereignisse in Gallien, wurde in Rom ein Dankesfest
von zwanzig Tagen gefeiert.
Tabula rasa
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Caesar entschloss sich, mit seinen restlichen Truppen
gegen Rom zu ziehen. Am 10. Januar 49 v. Chr. überquerte Caesar den Rubicon,
was faktisch einer Kriegerklärung an den römischen Senat gleich kam. „alea
iacta est“ (Der Würfel ist geworfen worden), dieses bekannte Zitat soll Caesar
nach der Rubikonüberquerung gesagt haben.
Innerhalb von 60 Tagen eroberte Caesar ganz Italien.
Die römische Oberschicht, die Konsuln, die Senatoren und auch der Oberbefehlshaber
Pompeius flohen aus Rom nach Griechenland. Caesar betrat nach 10 Jahren wieder seine
Heimatstadt Rom, er kannte sich kaum mehr aus, unterdessen ist Rom eine
Millionenstadt geworden. Er bemächtigte sich der schon halbgeplünderten
Staatskasse und stellte ein neues Heer zusammen, mit dem er die iberische
Halbinsel von den Optimaten unterstehenden römischen Truppen befreien wollte.
In kurzer Zeit schlug er alle römischen Feldherren mit ihren Heeren. Auf dem
Rückweg nahm er noch das widerspenstige Massilia (Marseille) ein. Dort erfuhr
er, dass er vom zur Zeit ranghöchsten Beamten in Rom, Praetor Marcus Lepidus
für das nächste Jahr zum Konsul und Dictator ernannt worden sei. Caesar behielt
die Diktatur nur 11 Tage, in dieser Zeit traf er folgende Regelungen: Neue Durchführung
der Konsulatskomitien, Regelungen zum Schuldenwesen (Caesar war selber hoch
verschuldet), Rückberufung der meisten Verbannten, Verleihung des Bürgerrechts
an Gallia transpadana (Oberitalienische Gallier).
Danach zog er mit drei Legionen (ca. 15.000 Mann) über
die Adria nach Griechenland. Bei Dyrrhachium entging er knapp einer Niederlage
gegen die mehr als doppelt so starke Armee des Pompeius. Bei der nächsten
Schlacht, in der Nähe von Pharsalos, drängten die cäsarfeindlichen Senatoren
den eher vorsichtig operierenden Pompeius zum sofortigen Angriff. Es kam zu
einem verheerenden Gemetzel, wobei die zahlenmässig überlegenen Truppen von
Pompeius vernichtend geschlagen wurden. Pompeius konnte im letzten Moment die
Flucht ergreifen und sich nach Ägypten absetzen. Dort erwartete Ptolemaios
XIII. in vollem Königsornat seinen Vormund Pompeius, der 12jährige Pharao
wollte dem in Bedrängnis geratenen väterlichen Freund Schutz bieten. Jedoch
seine Minister hielten den Aufenthalt eines Feindes von Caesar für Ägypten als
zu gefährlich. Ohne Wissen des kleinen Königs liessen sie Pompeius töten.
Der Alexandrinische Krieg. (48 – 47 v.Chr.)
Caesar verfolgte Pompeius mit seinem kleinen Heer (4.000
Mann) bis Alexandria. Obwohl die ägyptische Regierung aus Furcht Pompeius, den
Feind von Caesar, getötet hatte, besetzte Caesar das Palastviertel und nahm die
königliche Familie als Geiseln, allerdings fehlten die beiden Oberhäupter der
Ptolemäer, die standen sich mit ihren Heeren gegenüber, um zu entscheiden, wer
Pharao werden soll. Caesar schickte einen Boten zu den beiden Widersachern mit
dem Aufruf, den unnötigen Krieg zu unterlassen und zurück in den Palast nach
Alexandria zu kommen, er werde dann zwischen dem 12jährigen Ptolemaios XIII und
der 18 jährigen Kleopatra VII entscheiden.
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Caesar konnte die verstrittenen Geschwister wieder versöhnen und sie zur Annahme der von ihrem Vater vorgesehenen Doppelregentschaft plus Vermählung bringen. Doch bald griff das Heer (20.000 Mann) des Ptolemaios Alexandria an, sodass Caesar mit seiner lediglich 4.000 Mann starken Truppe in arge Bedrängnis geriet und er zeitweise um sein Leben bangen musste. Im letzten Moment traf endlich die römische Verstärkung ein und befreite Caesar aus seiner misslichen Lage. „Da alexandrinische Boote in ihrem Rücken landeten, fürchteten die Römer abgeschnitten zu werden und versuchten, die an der Mole gelegenen Boote zu besteigen, um zu ihren entfernteren Schiffen zu gelangen. Caesar geriet in eine lebensgefährliche Situation, als sich zu viele Soldaten auf sein Boot drängten, musste er mit seinen fast 53 Jahren an die 200 Schritte durch das kalte Wasser zu den weiter weg gelegenen Schiffen um sein Leben schwimmen.“ (Cassius Dio 42, 42) Auf Bitten der alexandrinischen Bevölkerung liess Caesar den kleinen König frei, der versprach, sich um einen Waffenstillstand zu bemühen. Doch Ptolemaios ging zu seinen Truppen und hetzte sie erneut gegen Caesar auf. Durch ein Täuschungsmanöver überraschte Caesar das ägyptische Heer und fügt ihm eine schwere Niederlage zu. Auf der Flucht drängten sich zu viele Menschen auf das selbe Boot wie Ptolemaios, das völlig überladene Schiff sankt und der junge Pharao Ptolemaios XIII ertrank in den Fluten des Nils. Nachdem sich Memphis und auch Alexandria ergeben hatten, fand Caesar endlich Zeit, mit Kleopatra eine dreimonatige Nil-Reise zu unternehmen. |
Caesar wollte dem Testament des verstorbenen
Ptolemaios XII Geltung verschaffen, das eine Doppelregentschaft seiner beiden
Kinder und die Heirat der Geschwister unter der Aufsicht von Rom vorsah. Am
nächsten Tag erschien Ptolemaios bei Caesar, nach einer kurzen Unterredung
meinte Caesar, man wolle auf die Ankunft von Kleopatra warten. Der gewiefte
kleine Ptolemaios hatte aber die Torwächter angewiesen, seine Schwester Kleopatra
nicht in die Stadt zu lassen. Nach mehreren gescheiterten Versuchen gelang es Kleopatra,
in einem Bettsack, der von einem ihrer Vertrauten, einem Sizilianer namens
Apollodoros, in den Palast getragen zu werden. Als Caesar die listige Aktion von
Kleopatra erfuhr, machte er ihr grosse Komplimente für ihren Einfallsreichtum.
Mit neuem Elan setzte Caesar nach Kleinasien über und
rieb in der Schlacht bei Zile in nur vier Stunden das ganze Heer von Pharnakes
II. von Pontus auf. Danach machte Caesar den lakonischen Ausspruch „veni, vidi,
vici“.
(2012 berichtete die Süddeutsche, dass das türkische
Dorf Zile die Rechte an dem berühmten Satz „Veni, vidi, vici“ unter der
Patentnummer „2011-00640-Ticaret“ hält. (Süddeutsche Zeitung vom 17. April
2012, S.10)
Der nächste Kriegsschauplatz lag in der Provinz Africa,
in der Schlacht bei Thapsus schlug er die republikanischen Senatstruppen unter
Metellus Scipio und Cato dem Jüngeren, der nach der verheerenden Niederlage
sich das Leben nahm. Nächste Station war Spanien, dort kämpfte Caesar
erfolgreich seine letzten Gegner nieder. Somit waren die letzten Republikaner
ausgeschaltet und die Republik faktisch am Ende.
Caesar, lebenslanger Diktator.
Kleopatra in der ewigen Stadt.
Caesar strebte immer deutlicher sichtbar nach der
Alleinherrschaft und wurde dabei wohl von Kleopatra, die in einer absoluten
Monarchie aufgewachsen war, bestärkt. Sie hatte keinen Sinn für die
Machtbestrebungen des Konsultativsenats. Göttliche Ehrungen waren für eine
ägyptische Pharaonin normal. Caesar lehnte ebenfalls die
Caesars Testament.
In Rom wurde eine Gedenkmünze, die das Attentat auf
Caesar feierte, herausgegeben, die auf der einen Seite Brutus, auf der anderen
zwei Dolche und ein Pileus (römische Mütze der Freiheit) zeigt.
Überraschenderweise zeigte jedoch die Bevölkerung eine grosse Verehrung für den
toten Caesar, es dauerte Tage bis der Scheiterhaufen zur Verbrennung der Leiche
aufgestellt war, da viele Bürger noch Totengaben darauf legen wollten. Auf dem
Marsfeld wurden aufwändige Leichenspiele veranstaltet, die auch emotional
aufrüttelnde Inszenierungen von Tragödien umfassten. Vor dem Rednerpult stand
ein verkleinertes Modell des von Caesar gestifteten Venus-Tempels, in dem die
blutige Toga des ermordeten Dictators ausgestellt war. Konsul Antonius verlas
einen Senatsbeschluss, wonach Caesar „alle göttlichen und menschlichen Ehren“ (Sueton)
zuerkannt wurden. Im Anschluss an die Bestattung versuchte der Mob, die Häuser
der Caesarmörder zu stürmen, um sie zu töten. Brutus, Cassius und die anderen
Verschwörer, die eigentlich damit gerechnet hatten, als Befreier und
Wiederhersteller der Republik gefeiert zu werden, zogen sich daher heimlich aus
Rom zurück. Zur Stabilisierung der Lage erkor der Senat ein Triumvirat, dem
auch der Adoptivsohn von Caesar Octavian angehörte. Als erste Amtshandlung
veröffentlichten sie Proskriptionslisten (Todeslisten), die vielen
republikanisch Gesinnten (ca. 2.300) das Leben kostete. Die geflohenen Caesar Mörder
fanden in Griechenland grosszügige Unterstützung, sie bekamen die Provinz
Makedonien und konnten dort ein Heer aufstellen. Nachdem Brutus ein Dämon
erschienen war, der zu ihm sagte: “Wir sehen uns bei Philippi wieder“ brach er
mit seinem Heer auf und traf dort wirklich auf die gegnerischen
Caesar-Veteranen, trotz Abwesenheit ihres Feldherrn Octavian schlugen die
Kaisertreuen das republikanische Heer vernichtend. Damit schwand die letzte
Hoffnung für die Wiederherstellung der Republik. Nach dieser endgültigen
Niederlage nahm sich Brutus das Leben.
PS. Als Alt-Bundesrat Blocher nach seiner kurzen Amtszeit wegen seiner „veni, vidi, vici“ Mentalität und seiner Geringschätzung des Parlaments wieder abgewählt wurde, empfand er anscheinend seine Absetzung als Caesarenmord, denn seine letzten Worte ans Parlament als Bunderrat waren: “Wir sehen uns bei Philippi wieder“. Offenbar waren für ihn die Würfel noch nicht gefallen.