Gaius Julius Caesar


Was ist ein Triumphzug?

Ein vom Senat bewilligter Triumphzug war an genaue Regeln gebunden, der Feldherr musste von seinen Soldaten per Akklamation zum Imperator gewählt werden, während der Senat über die Leistungen und die Würdigkeit des Antragstellers debattierte, musste dieser vor der Stadt mit seinem Heer warten. War der Triumphzug bewilligt, ging er über eine festgelegte Route vom Marsfeld durch die Porta Triumphalis, das Forum Boarium, weiter durch den Circus Maximus, über das Forum Romanum zum Kapitol, wo der Triumphator vor dem Tempel des Jupiter ein feierliches Opfer darbrachte. Die Strecke war von jubelnden Menschen gesäumt. Voran schritten die Senatoren, Magistrate und Musiker, dann auf einem Wagen eine bildhafte Darstellung des Sieges. Auch die unterlegenen Feinde wurden zur Schau gestellt, wie auch die Kriegsbeute, weiter folgten geschmückte Opfertiere und Ehrengaben. Am Ende des Zuges fuhr der Triumphator in einer Quadriga (Vierspänner), begleitet von Liktoren mit lorbeerumwundenen Rutenbündeln. Der Triumphator trug die purpurne Toga (toga purpurea), eine bestickte Tunika (tunica palmata), einen Lorbeerkranz (corona triumphalis), in der linken Hand einen langen Elfenbeinstab mit Adler an der Spitze und in der Rechten einen Lorbeerzweig. Sein Gesicht war, nach dem Vorbild der Ton-Statue des Jupiter auf dem Kapitol, mit Mennige rot gefärbt. Hinter dem Triumphator stand ein Sklave auf dem Wagen, der versuchte, eine geheiligte, goldene Eichenlaubkrone über dem Haupt des Geehrten zu halten, während er pausenlos dem Triumphator ins Ohr flüsterte:“ Sieh dich um; denke daran, dass auch du nur ein Mensch bist!“

Was ist eine Ovatio?

Der Geehrte musste sich zu Fuss auf den Weg zum Kapitol machen, gekleidet in die senatorische Toga mit nur einem schmalen Streifen Purpur. Die Corona triumphalis blieb ihm verwehrt, er musste sich mit einem Myrtenkranz zufrieden geben. Statt eines Stieres wurde ein Schaf geopfert.

 

Der mit allen Wassern gewaschene Julius Caesar.

Gaius (von gaudium "Freude") Julius Caesar (100-44 v.Chr.) entstammte dem vergleichsweise armen Patriziergeschlecht der Julier, welches vom Griechen Aeneas, der Rom gegründet haben soll, abstamme und, was Caesar immer wieder gerne betonte, dass Aeneas Mutter die Göttin Venus war, damit wollte er auf seine Verbindung zur Götterwelt hinweisen. Er baute seiner Göttin Venus einen malerischen Tempel in Rom. Im Bürgerkrieg wurde der erst 18 jährige Caesar vom autoritär herschenden Konsul Sulla auf die Todesliste gesetzt, weil er zur Fraktion der Popularen gehörte und Sulla für seine tyrannische Politik kritisierte. Seine ersten militärischen Erfahrungen macht der Zwanzigjährige in Griechenland, wo er sich vor Mytilene durch Mut und Tapferkeit auszeichnete. Für die Rettung von Kameraden und gleichzeitigem Halten ihrer Stellung wurde ihm die corona civica (Bürger Krone) aus goldenen Steineichenblättern, die mit Juwelen besetzt war, verliehen. Ab jetzt darf er bei öffentlichen Spielen bei den Senatoren sitzen und sie mussten sich von ihren Sitzen erheben, wenn er die Arena betrat.

Aber statt seine militärische Laufbahn weiter zu führen oder den Cursus Honorum zu beginnen, geht er zu einem Studienaufenthalt nach Griechenland. Auf der Überfahrt wird sein Schiff von kilikischen Piraten gekapert, die Seeräuber fordern ein Lösegeld für die Freilassung des Gefangenen. Der gefesselte Caesar verhöhnte die Piraten, das Lösegeld hätten sie viel zu tief angesetzt, er sei deutlich mehr Wert, aber das spiele ja ohnehin keine Rolle, denn er werde, sobald er wieder frei sei, zwei Schiffe mit kämpferischen Besatzungen kaufen und den Seeräubern das Lösegeld wieder abjagen und sie alle töten. Nach seiner Freilassung machte Caesar umgehend seine Drohung wahr, keiner der Piraten überlebte.

Cäsar blieb etwa ein Jahr in Griechenland, vor allem studierte er beim bekanntesten Rethoren Apollonius Molon die Kunst der Beredsamkeit. Molon lehrte seine Schüler, Reden schlicht und verständlich zu halten. Üblich war zu seiner Zeit der „asianische Stil“, der verschnörkelte Redewendungen und komplizierte Reden vorsah. Der grichische Gelehrte lehnte diesen Stil ab und forderte das einfache Wort. Auf dem Stundenplan standen: Langes Reden ohne Notizen, Reden in der freien Natur, die Aufmerksamkeit der Menge erhalten und gegen die Menge anzusprechen, sowie Gestik und Haltung.

Nach dem Tod des Tyrannen Sulla ging Caesar nach Rom zurück, um seine Kariere als popularer Politiker aufzunehmen. Er begann, wie damals üblich, als öffentlicher Ankläger und Mitglied der vigintisexviri (26 Männer), der Vorstufe des Cursus Honorum. Als Ankläger erregte Caesar durch einen Prozess wegen Erpressung gegen Cornelius Dolabella, einen Anhänger Sullas, grosse Aufmerksamkeit und bewies damit erneut seine Opposition zum Lager der Optimaten. Zwar verlor er den Prozess, aber seinem guten Ruf bei den Popularen tat dies keinen Abbruch. Fast im Jahresrhythmus ist Caesar zum Quästor in Spanien, kurulischer Ädil, Pontifex Maximus, Praetor, Propraetor in Hispania Ulterior und endlich zum Senator aufgestiegen, gleichzeitig sicherte er sich die Zuneigung des Volkes durch aufwändige Spiele. Seine Wahl zum Konsul würde wohl am Widerstand der aristokratischen Senatoren scheitern. Deshalb gründete Caesar mit Marcus Licinius Crassus und Gnaeus Pompeius Magnus einen heimlichen Dreimännerbund (später offizielles Triumvirat). Er wollte die Forderungen seiner Bundesgenossen durchsetzen, wenn sie ihm zur konsularischen Macht verhelfen würden. Pompeius war durch seine grossen Erfolge im Osten den Senatoren zu mächtig geworden. Sie verweigerten ihm das Land, das er seinen Veteranen versprochen hatte, weiter wollte der Senat jede Entscheidung, die Pompeius auf seinem langen Feldzug gefällt hatte, nachträglich untersuchen, was ihn der Lächerlichkeit preisgegeben hätte. Crassus dem Dritten im Bunde, ging es um militärische Ehren, obwohl er kein besonders guter Feldherr war, forderte er ein Heer, um im Osten weitere Gebiete zu unterwerfen. Dafür war er bereit, Caesars immense Schulden zu bezahlen. Der Coup gelang, Caesar wurde Konsul.

Als erste Amtshandlung erfüllte er, über die Köpfe der Senatoren hinweg, die Versprechen an seine Geheimbundbrüder. Crassus bekam sein Heer, die Veteranen ihr Land und der Prozess gegen Pompeius wurde eingestellt. Dieses und weitere verfassungswidrige Vergehen von Caesar mussten unweigerlich nach Ablauf seines Konsularjahres zu einem Prozess mit sicherer Verurteilung führen. Um einer Bestrafung, die wohl das Ende seiner politischen Karriere bedeutet hätte, zu entgehen, gelang es Caesar, sich eine ungewöhnlich lange Amtszeit von fünf Jahren als Prokonsul von Gallien zu verschaffen. Das Prokonsulat in Gallien bedeutete einen wichtigen Machtgewinn für Caesar. Als Prokonsul konnte er Heere aufstellen, die in dem System der Heeresklientel auf ihn persönlich und nicht auf Rom eingeschworen waren, was ein weiterer Schritt zum Untergang der Republik darstellte. Um seine Macht und seinen Reichtum weiter auszubauen, brauchte er einen Krieg ausserhalb der Grenzen des Imperiums, den er bei den zerstrittenen Stämmen Galliens fand, unter denen es seit einigen Jahren grössere Unruhen gab. Vor seiner Abreise nach Gallien heiratete er (aus politischen Gründen zum vierten Mal) die 18 jährige Adlige Calpurnia. Nicht nur weil er sich die Körperhaare auszupfen liess, sagte man Cäsar einen Hang zur Homosexualität nach.


Die Helvetier unterwegs in den warmen Süden.

In seinen acht Büchern „Kommentare zum Krieg in Gallien“ beschrieb Caesar recht selbstgefällig sein Wirken in Gallien. Allerdings schrieb er die „Bello Gallico“ in Er-Form, damit entschärfte er seine egomanen Berichte und täuschte Bescheidenheit vor. Auf seinem Feldzug traf er zuerst auf die Helvetier, die ihr Land aufgegeben hatten und die aus dem rauen Klima der Berge in wärmere Gefilde unterwegs waren. „Als Cäsar durch seine Kundschafter die Nachricht erhielt, die Helvetier seien bereits mit drei Teilen ihrer Leute über dem Fluss, ein Viertel dagegen befinde sich noch auf der östlichen Seite der Saône, brach er um die dritte Nachtwache mit drei Legionen aus seinem Lager auf und gelangte zu dem Teil der Feinde, der noch nicht über den Fluss gegangen war. Er griff sie, als sie noch ungeordnet und auf keine Feindseligkeit gefasst waren, an und machte sie grossenteils nieder; was sich retten konnte, ergriff die Flucht und verbarg sich in den nächsten Wäldern. Es waren dies die Helvetier des Tiguriner-Gaus (Bezirk). Die Gesamtheit der helvetischen Bevölkerung bildet nämlich vier solche Gaue. Dieser eine Gau hatte schon in älteren Zeiten einmal die Heimat verlassen, den römischen Konsul Lucius Cassius geschlagen und dessen Heer durchs Joch geschickt (in der Antike war die grösste Demütigung für einen Krieger unter dem Joch hindurch zu müssen, mancher Friedensvertrag scheiterte an dieser Klausel.) So wurde der Teil der helvetischen Bevölkerung, der dem römischen Volk früher jene große Niederlage beigebracht hatte, ob durch Zufall oder absichtlicher Fügung der unsterblichen Götter, zuerst bestraft. Cäsar aber rächte bei dieser Gelegenheit nicht nur die Beleidigungen gegen sein Vaterland, sondern auch die gegen sein eigenes Haus. Die Tiguriner hatten nämlich in jenem älteren Treffen ausser dem Konsul Cassius auch den Legaten Lucius Piso erschlagen; dies war aber der Grossvater von Lucius Piso, dem Schwiegervater Cäsars.

Um nach diesem Treffen die übrigen Scharen der Helvetier einholen zu können, liess Cäsar eine Brücke über die Saône schlagen und führte so das Heer hinüber. Bestürzt über seine plötzliche Ankunft schickten die Helvetier Gesandte zu ihm; denn sie sahen, dass er den Übergang, den sie selbst mit Anstrengung in zwanzig Tagen bewerkstelligt, in einem Tag bewirkt hatte. An der Spitze dieser Gesandtschaft stand Divico, im Krieg gegen die Römer unter Cassius einst helvetischer Feldherr. Dieser äusserte gegen Cäsar, wenn das römische Volk die Helvetier friedlich behandeln würde, so wollten die Helvetier an den Ort ziehen und dort ruhig bleiben, wohin sie Cäsar versetzen und wo er sie ansiedeln würde. Wäre man aber gesonnen, die Feindseligkeiten gegen sie fortzusetzen, so möge sich Cäsar der früheren Niederlage der Römer und der ererbten Tapferkeit der Helvetier erinnern. Dass er einen Teil ihrer Scharen überrascht habe, während die anderen bereits jenseits des Flusses ihren Landsleuten keine Hilfe hätten leisten können, deswegen möge er kein zu grosses Gewicht auf die römische Tapferkeit legen oder die Helvetier verachten. Sie hätten von ihren Vätern und Urvätern gelernt, sich mehr in der Tapferkeit als in der List mit anderen zu messen oder in Nachstellungen ihre Stärke zu suchen. Er möge also nicht zulassen, dass ihr derzeitiger Standpunkt durch eine Niederlage des römischen Volkes und die Vernichtung des römischen Heeres berüchtigt oder unvergesslich werde. Hierauf erwiderte Cäsar, er müsse sich umso weniger bedenken, als ihm die von den helvetischen Gesandten erwähnten Ereignisse bewusst seien, und jene Niederlage ihm umso schmerzlicher sei, je weniger das römische Volk sie verdient hätte… Wenn er nun auch von jener früheren Schmach absehen wolle, so müsse er doch fragen, ob er wohl die neuerlichen Beleidigungen auch vergessen könne, dass sie gegen seinen Willen mit Gewalt den Durchzug durch die Provinz versucht, dass sie die Häduer, die Ambarrer und die Allobroger feindlich behandelt hätten. Wenn sie sich aber ihres Sieges so übermütig rühmten und sich wunderten, wie die Römer so lange die Beleidigungen ohne Rache erduldeten, so deute dies auf ein und die selbe Sache hin; die unsterblichen Götter pflegten nämlich denjenigen Menschen, die sie für ihre Frevel bestrafen wollten, zuweilen grösseres Glück und längere Straffreiheit zu gestatten, damit sie den Wechsel des Schicksals desto schmerzlicher empfänden. Des ungeachtet solle Frieden zwischen ihm und den Helvetiern sein, wenn sie durch Geiseln die Erfüllung ihres Versprechens verbürgten und den Häduern, wie auch deren Bundesgenossen, für die verübten Feindseligkeiten und in
gleicher Weise den Allobrogern Genugtuung leisteten.

Divico antwortete, die Helvetier hätten von ihren Vorfahren die Gewohnheit ererbt, Geiseln zu empfangen, nicht zu geben. Davon sei das römische Volk Zeuge. Nach dieser Antwort entfernte er sich. Am folgenden Tag brachen die Helvetier von dort auf. Das selbe tat Cäsar, indem er seine Reiterei, gegen viertausend Mann, die er aus der ganzen Provinz, aus dem Land der Häduer und ihrer Bundesgenossen aufgeboten hatte, vorausgehen liess, um zu sehen, nach welcher Richtung der Feind seinen Zug nehme. Diese Reiterei verfolgte jedoch den Nachzug der Helvetier zu hitzig und liess sich in einer ungünstigen Stellung in ein Treffen ein, wobei auf römischer Seite einige fielen. Durch dieses Gefecht übermütig gemacht, begannen die Feinde, die mit fünfhundert Reitern eine so zahlreiche Reiterei geworfen hatten, sich kecker zu widersetzen und von ihrer Nachhut aus die Römer wiederholt anzugreifen. Cäsar suchte seine Leute von einem Treffen zurückzuhalten, und begnügte sich für den Augenblick, den Räubereien und verheerenden Streifzügen der Feinde Einhalt zu tun. Auf diese Weise rückte man etwa fünfzehn Tage lang weiter, indem die Nachhut des Feindes und die Vorhut der Römer nur fünf bis sechs Meilen voneinander entfernt waren. Inzwischen hatten die Helvetier ihre Scharen bereits durch den Engpass und das Land der Sequaner bis in das Gebiet der Häduer geführt und waren dabei, ihre Felder zu verheeren. Als die Häduer sich und ihre Habe nicht mehr vor ihnen schützen konnten, schickten sie Gesandte an Cäsar und baten um Hilfe: Die Häduer hätten sich zu jeder Zeit um das römische Volk so verdient gemacht, dass sie es nicht verdient hätten, dass fast unter den Augen des römischen Heeres ihre Felder verwüstet, ihre Kinder in die Sklaverei geschleppt und ihre Städte genommen würden. Zur selben Zeit meldeten auch die Ambarrer, Freunde und Stammesverwandten der Häduer, ihre Felder seien verwüstet; kaum könne man noch von den Städten den Sturm der Feinde abwehren. Ebenso nahmen die Allobroger, die am rechten Ufer der Rhône Dörfer und Besitzungen hatten, ihre Zuflucht zu Cäsar und trugen vor, ausser dem Grund und Boden ihrer Felder sei ihnen nichts mehr übrig. Auf diese Nachricht entschied sich Cäsar, nicht zu warten, bis die Helvetier erst die ganze Habe seiner Bundesgenossen verzehrt hätten und in das Land der Santonen eingedrungen wären“. (Caes.Gall.4,5.)


Beichtvater Caesar.

„Unterdessen verlangte Cäsar dringend Tag für Tag von den Häduern das Getreide, das sie öffentlich zu liefern versprochen hatten. Weil nämlich, wie früher bemerkt, das Keltenland nördlich liegt, war wegen der kalten Jahreszeit nicht bloß auf den Feldern noch kein Getreide reif, sondern man hatte nicht einmal genug Futter.  Auch konnte Cäsar nicht auf das Getreide, das er sich selbst auf der Saône nachführen liess, zurückgreifen, weil die Helvetier ihre Richtung seitwärts von diesem Fluss genommen hatten und Cäsar sich nicht von ihnen trennen wollte. Die Häduer verschoben die Sache von einem Tag zum andern, indem sie erklärten, das Getreide werde gerade eingefahren, geliefert, sei fast schon da. Als Cäsar sah, dass man ihn zu lange hinhielt und die Zeit bevorstand, dass er den Soldaten Proviant zuteilen musste, rief er die vielen Häuptlinge der Häduer, die in seinem Lager waren, zu sich, unter ihnen auch Diviciacus und Liscus, der damals dem höchsten Staatsamt vorstand, das bei den Häduern Vergobret genannt wird, jedes Jahr wechselt und Gewalt über Leben und Tod der Bürger hat. Diesen machte er heftige Vorwürfe, dass man ihn in so dringlicher Lage, wo man Lebensmittel weder für Geld haben noch vom Feld nehmen könne, nicht unterstütze, während die Feinde so nahe ständen. Dass man ihn so im Stich lasse, darüber beklagte er sich um so nachdrücklicher, weil er grossenteils besonders auf ihre Bitten in diesen Krieg eingetreten sei.

Diese Rede Cäsars bewog nun endlich Liscus, sein bisheriges Schweigen zu brechen und zu erklären, gewisse Leute hätten bei der Masse seiner Landsleute ungemein grossen Einfluss und könnten als Privatleute mehr ausrichten als selbst die Regierung. Diese Menschen suchten durch aufwiegelnde und verbrecherische Reden das Volk von der schuldigen Getreidelieferung dadurch abzuhalten, dass sie erklärten, es wäre besser, die anderen Kelten über sich herrschen zu lassen als den Römern untertan zu sein, wenn nun einmal die Häduer selbst das Übergewicht im Keltenland nicht mehr behaupten könnten: ohne Zweifel, würden die Römer, sobald sie die Helvetier besiegt hätten, in Verbindung mit den übrigen Kelten auch den Häduern ihre Freiheit rauben. Dies seien die selben Leute, die den Helvetiern die Pläne der Römer und alles, was im römischen Lager vorgehe, meldeten; er selbst vermöge sie nicht in Schranken zu halten; ja er sehe ein, welcher Gefahr er sich dadurch aussetze, dass er die Sache notgedrungen enthülle. Nur deshalb habe er so lange wie möglich geschwiegen. Cäsar merkte, dass diese Rede des Liscus auf Dumnorix, den Bruder des Diviciacus, zielte. Weil er aber nicht wollte, dass die Sache in Gegenwart mehrerer weiter besprochen werde, entliess er die Versammlung alsbald; nur Liscus behielt er bei sich und fragte ihn allein über das, was er in der Versammlung erklärt hatte.

Liscus sprach mit mehr Freimut und ohne Rückhalt. Cäsar aber, der auch noch andere Personen insgeheim befragt hatte, fand folgende Tatsachen bestätigt: gerade Dumnorix sei das Hindernis, ein höchst verwegener, wegen seiner Freigiebigkeit beim Volk sehr beliebter und zu Unruhen geneigter Mann. Derselbe habe die Zölle und alle übrigen Steuern der Häduer für eine Reihe von Jahren um ein geringes Pachtgeld in seinen Händen; denn wenn dieser biete, so wage niemand ein Gegengebot. Dadurch habe er sich bereichert und große Mittel zur Freigiebigkeit erworben; er unterhalte auf eigene Kosten eine bedeutende Zahl Reiter und habe diese immer um sich. Doch nicht bloss in seiner Heimat, auch bei den anderen Völkerschaften vermöge er sehr viel. Zum Zweck solcher Übermacht habe er seine Mutter bei den Biturigen an den dort vornehmsten und mächtigsten Häuptling verheiratet; seine eigene Gattin sei aus Helvetien, seine Halbschwester von mütterlicher Seite und seine übrigen weiblichen Verwandten habe er unter anderen Völkerschaften verehelicht. Die Helvetier begünstige und liebe er wegen jener Schwägerschaft besonders, die Römer aber und Cäsar hasse er überdies aus persönlichen Rücksichten; denn beim Eindringen der Römer sei seine Übermacht geschwächt worden und sein Bruder Diviciacus wieder zum Genuss seines früheren Einflusses und Ansehens gelangt.

Stosse den Römern ein Unglück zu, so habe er die grösste Hoffnung, durch die Helvetier zur Alleinherrschaft zu gelangen; wenn sich die Herrschaft der Römer halte, so müsse er nicht bloss an der Erringung der königlichen Herrschaft, sondern sogar an der Erhaltung seines Einflusses bezweifeln. Bei weiterem Ausfragen erfuhr Cäsar auch, dass es Dumnorix sei, der bei dem unglücklichen Reitertreffen vor einigen Tagen zuerst mit seinen eigenen Reitern die Flucht ergriff und dadurch die übrige Reiterei in Bestürzung brachte. Dumnorix befehligte nämlich die Reiterei, die die Häduer den Römern als Hilfe ins Feld gestellt hatten. Als zu diesen durch Erkundigung wahrgenommenen Verdachtsumständen noch unleugbare Tatsachen kamen, dass nämlich Dumnorix die Helvetier durch das Land der Sequaner geführt, die gegenseitige Stellung von Geiseln vermittelt, dies alles nicht bloß gegen Cäsars und seiner Mitbürger Befehl, sondern auch ohne ihr Wissen getan hatte und die Obrigkeit der Häduer ihn anklagte, so glaubte Cäsar hinlänglich Grund zu haben, ihn entweder selbst aufs schwerste zu bestrafen oder solche Bestrafung von den Mitbürgern zu verlangen. Allen diesen Dingen stand nur der eine Umstand entgegen, dass Cäsar des Diviciacus, des Bruders von Dumnorix, höchste Ergebenheit gegen das römische Volk, dessen vortreffliche Gesinnung gegen seine eigene Person, sowie seine ausgezeichnete Treue, Gerechtigkeit und Mässigung aus Erfahrung kannte. Durch die Hinrichtung des Dumnorix fürchtete er aber bei Diviciacus Anstoss zu erregen. Bevor er deshalb einen entscheidenden Schritt tat, liess er diesen vor sich rufen. Ohne Beisein der gewöhnlichen Dolmetscher besprach er sich mit ihm durch seinen Vertrauten, Gaius Valerius Troucillus, einen angesehenen Mann des römischen Gallien, auf welchen er in allen Stücken das grösste Zutrauen setzte; dabei erinnerte er an die Äusserungen, die in des Diviciacus eigener Gegenwart in der Versammlung der gallischen Häuptlinge über Dumnorix gemacht wurden, und eröffnete ihm, was jeder im einzelnen bei ihm gesondert über ihn ausgesagt habe. Mahnend stellt er deshalb an ihn das Verlangen, sich nicht beleidigt zu fühlen, wenn nach Untersuchung der Sache er selbst das Urteil über seinen Bruder fälle oder die Häduer dazu aufforderten.       

Diviciacus brach in Tränen aus, umfasste Cäsar und flehte, er möge gegen seinen Bruder nicht allzu hart verfahren. Er wisse wohl, dass jenes wahr sei, und niemand falle es schwerer als ihm; denn Dumnorix sei erst durch ihn gestiegen, da er bei den Häduern und im übrigen Gallien den grössten Einfluss, Dumnorix aber wegen seiner jungen Jahre fast kein Ansehen geniesse. Dieser Macht und dieser Kräfte bediene sich nun der Bruder zur Verminderung seines bisherigen Ansehens und fast zu seinem gänzlichen Untergang. Gleichwohl wirke bei ihm die Liebe zum Bruder und die öffentliche Meinung. Wenn Cäsar denselben hart strafe, so werde niemand glauben, dass dies nicht auf seinen Wunsch geschehen sei, da er Cäsars Freundschaft in so hohem Grade besitze; dann aber würden sich die Gemüter in ganz Gallien von ihm abwenden. Als Diviciacus so unter Tränen und mit vielen Worten bat, nahm ihn Cäsar bei der Hand, beruhigte ihn und forderte ihn auf, nicht weiter zu flehnen.

Er gelte bei ihm so viel, dass auf seinen Wunsch und seine Fürbitte dem Dumnorix die Ungesetzlichkeiten gegen ihr Vaterland und die Beleidigung gegen seine eigene Person verziehen sein sollten. Dann liess er Dumnorix vor sich rufen und erklärte ihm in Gegenwart seines Bruders Diviciacus, was er an ihm missbillige; auch zeigte er, was er selbst ganz bestimmt von ihm wisse und was ihm seine Mitbürger zur Last legten; zugleich forderte er ihn auf, für die Zukunft keinerlei Verdacht gegen sich aufkommen zu lassen: das Vergangene wolle er seinem Bruder Diviciacus zuliebe verzeihen. Hierauf bestellt er Wächter über ihn, um immer zu wissen, was er treibe und mit wem er verkehre.

Am selben Tag meldeten die Kundschafter, die Feinde hätten acht Meilen vom Lager am Fuss eines Berges Halt gemacht. Cäsar liess nachforschen, wie der Berg beschaffen und wie er ringsum besteigbar sei. Auf die Nachricht, dass er leicht erstiegen werden könne, gab er um die dritte Nachtwache dem obersten Legaten Titus Labienus Befehl, mit zwei Legionen die Höhe des Berges zu ersteigen und die selben Leute als Führer zu gebrauchen, die den Weg vorher untersucht hatten. Zugleich teilte er ihm seinen Plan mit. Er selbst brach um die vierte Nachtwache auf dem Weg, den die Feinde genommen hatten, gegen ihr Lager auf und liess seine ganze Reiterei den Vortrab bilden. Vorausgeschickt wurde mit den Spähern Publius Considius, der als sehr erfahrener Kriegsmann galt und früher im Heer des Lucius Sulla, später in dem des Marcus Crassus gedient hatte. Es war Tagesanbruch. Labienus hielt die Anhöhe des Berges besetzt. Cäsar selbst war vom Lager der Feinde nur noch anderthalb Meilen entfernt, ohne dass diese etwas von Labienus oder Cäsars Annäherung bemerkt hatten, wie man später von den Gefangenen erfuhr. Da sprengte Considius mit verhängten Zügeln gegen Cäsar heran und meldete, den Gipfel, den er Labienus zu besetzen befohlen hätte, hielten die Feinde; davon habe er sich durch die gallischen Waffen und Feldzeichen überzeugt. 

Cäsar führte seine Truppen auf den nächsten Hügel und stellte sie in Schlachtordnung. Labienus, der die Anhöhe wirklich besetzt hatte, wartete auf die Römer und liess sich in keinen Kampf ein; denn Cäsar hatte ihm verboten, ein Treffen zu beginnen, wenn er nicht seine Truppen nahe beim feindlichen Lage erblickt hätte, damit auf einmal von allen Seiten ein Angriff auf die Feinde geschehe. Endlich, als es schon längst Tag war, berichteten die Kundschafter Cäsar, dass nicht nur die Römer unter Labienus den Berg besetzt, sondern auch die Helvetier ihr Lager verlassen hätten. Considius aber habe in Furcht und Bestürzung Dinge als gesehen gemeldet, die er nicht gesehen. An diesem Tag folgte Cäsar den Feinden in der gewöhnlichen Entfernung und schlug sein Lager drei Meilen weit von ihnen auf.“ (Caes.Gall.4,9ff.)


Die grossmäuligen Helvetier werden kleinlaut.

„Folgenden Tages wendete er sich von den Helvetiern weg und zog gegen Bibracte, die grösste und reichste Stadt der Häduer, von der er nur achtzehn Meilen entfernt war; in zwei Tagen musste er nämlich unter seine Leute Lebensmittel austeilen und deshalb auf Vorrat bedacht sein. Dies erfuhren die Helvetier durch Überläufer des Lucius Aemilius, der eine Schar gallischer Reiter befehligte. Sie gaben ihren Plan auf, nahmen gleich einen anderen Weg und verfolgten und beunruhigten die Römer des Nachtrabs; mochten sie nun der Meinung sein, die Römer zögen aus Furcht hinweg, besonders da sie am vorigen Tag die Anhöhen besetzt und doch kein Treffen gewagt hätten; oder machten sie sich Hoffnung, ihnen die Lebensmittel abschneiden zu können. Sobald Cäsar dies wahrnahm, führte er sein Heer auf den nächsten Hügel und schickte die Reiterei ab, um dem Angriff der Feinde zu begegnen. Er selbst bildet in der Mitte aus den vier alten Legionen eine dreifache Schlachtreihe, während er ganz oben auf dem Gipfel über sich die jüngst im diesseitigen Gallien gebildeten zwei Legionen samt allen Hilfstruppen aufstellte und so den ganzen Berg mit Leuten füllte. Das Gepäck der einzelnen liess er mittlerweile auf einem Platz zusammentragen und denselben durch die Truppen verschanzen, die in der obersten Schlachtreihe aufgestellt waren. Die Helvetier, die mit all ihren Wagen folgten, brachten ihr Gepäck an einem Ort zusammen, warfen in dichtester Schlachtstellung die römische Reiterei zurück, bildeten einen festgeschlossenen Haufen und rückten gegen die vordere Schlachtreihe der Römer den Berg hinan. Cäsar liess zuerst sein Pferd, dann die Pferde aller übrigen weit wegführen, um die Gefahr für alle gleich zu machen und ihnen die Hoffnung der Flucht zu nehmen. Dann ermunterte er seine Legionen zur Tapferkeit und begann die Schlacht. Das Fussvolk schleuderte die Wurfgeschosse von der Anhöhe herab und durchbrach mit leichter Mühe den Schlachthaufen der Feinde. Sobald dieser gesprengt war, machte man einen Angriff mit gezogenem Schwert. Die Helvetier waren bei dem Kampf sehr im Nachteil, weil die schweren Wurfgeschosse der Römer meist mehrere Schilde auf einmal durchbohrten und aneinander hefteten. Hatte sich nun einmal das Eisen gebogen, so konnte man weder die Waffe herausziehen noch bequem kämpfen, weil der linke Arm, der den Schild trug, behindert war. Viele warfen deshalb, nachdem sie den Arm lange hin- und hergezerrt ihren Schild weg und fochten mit entblösstem Körper.

Durch Wunden erschöpft wichen die Feinde endlich und zogen sich auf einen Berg zurück, der etwa tausend Schritte entfernt lag. Als sie den Berg besetzt hatten und die Römer ihnen nachrückten, fielen die Boier und Tulinger, die mit etwa fünfzehntausend Mann den Zug der Feinde beschlossen und ihren Rücken deckten, während des Marsches den Römern in die offene Flanke und schlossen sie ein. Kaum sahen dies die Helvetier, die sich auf den Berg zurückgezogen hatten, als sie wieder vordrangen und die Schlacht erneuerten. Die Römer machten eine Schwenkung und wendeten ihre Feldzeichen nach zwei Richtungen, indem die zwei ersten Schlachtlinien sich den geschlagenen und geworfenen Helvetiern entgegenstellten, die dritte den andringenden Boiern und Tulingern Widerstand leistete. Lange und heftig war diese Doppelschlacht. Als aber der Feind den Angriff der Römer nicht länger aushalten konnte, zogen sich die einen, wie vorher, auf die Anhöhe, die anderen (Boier und Tulinger) wendeten sich zum Gepäck und zu den Wagen; denn niemand konnte den Feind eigentlich fliehen sehen, obwohl die ganze Schlacht von ein Uhr nachmittags bis zum Abend gedauert hatte. Bis tief in die Nacht hielt auch der Kampf bei dem Gepäck an, weil die Feinde ihre Wagen als einen Wall gegen die anrückenden Römer vorgeschoben hatten und von der Anhöhe herab Geschosse auf sie schleuderten. Manche schossen auch mit ihren leichten Wurfspießen zwischen den Wagen und Rädern durch und verwundeten Cäsars Leute. Erst nach langem Kampf bemächtigten sich die Römer des Gepäcks und des Lagers. Hier wurde die Tochter des Orgetorix und einer seiner Söhne gefangen; etwa 130.000 Feinde überlebten dieses Treffen. Diese zogen in der selben Nacht unablässig weiter, machten in den folgenden Nächten nie längeren Halt und kamen so am vierten Tag in das Gebiet der Lingonen, während die Römer wegen der Verwundeten, und um ihre Toten zu begraben, drei Tage auf der Stelle bleiben mussten, ohne sie verfolgen zu können.

Durch schriftliche Befehle und mündliche Botschaften untersagte Cäsar den Lingonen, die Helvetier mit Getreide oder sonst wie zu unterstützen, und erklärte, wenn sie es doch täten, werde er sie gleich den Helvetiern als Feinde behandeln. Er selbst brach nach einer Unterbrechung von drei Tagen mit seinem ganzen Heer auf, um sie zu verfolgen. Die Helvetier schickten aus Mangel an allem Gesandte zu Cäsar, um sich zu ergeben. Sie trafen ihn auf dem Marsch, warfen sich ihm zu Füssen und baten in demütigen Worten und unter Tränen um Frieden. Cäsar befahl, ihre Landsleute sollten an dem Ort, wo sie im Augenblick ständen, seine Ankunft erwarten; was auch geschah. Als er selbst dorthin kam, verlangte er von ihnen Geiseln, sowie ihre Waffen und alle römischen Sklaven, die etwa zu ihnen geflohen waren. Die Helvetier, Tulinger und Latobriger mussten auf seinen Befehl in ihre verlassene Heimat zurückkehren. Weil sie aber dort nach dem Verlust aller Früchte nichts vorrätig hatten, um ihren Hunger zu stillen, befahl er den Allobrogern, sie mit dem nötigen Getreide zu versorgen. Sie selbst mussten die Städte und Dörfer wieder herstellen, die sie verbrannt hatten. Dies verfügte Cäsar besonders deshalb, weil er nicht wollte, dass der von den Helvetiern verlassene Landstrich leer stehe, aus Furcht, es möchten die Germanen des rechten Rheinufers wegen der vorzüglichen Güte der Felder aus ihrer Heimat in das helvetische Gebiet ziehen und so Nachbarn des römischen Gallien und der Allobroger werden. Im Lager der Helvetier fanden sich Tafeln mit griechischer Schrift, die man Cäsar zustellte. Auf denselben war ausdrücklich berechnet, wie viel waffenfähige Männer Helvetien verlassen hatten; ebenso war die Anzahl der Knaben, der Greise und der Weiber besonders angegeben. Diese Berechnung belief sich für alles auf 263.000 Helvetier, 36.000 Tulinger, 14.000 Latobriger, 23.000 Rauraker, 32.000 Boier; die Zahl der Waffenfähigen betrug gegen 92.000. Im ganzen waren es 368.000 Köpfe. Die Anzahl derer, die in die Heimat zurückkehrten, betrug nach der Zählung, die auf Cäsars Befehl vorgenommen wurde, 110.000.“ (Caes.Gall.4,12ff.)

Diese Zahlen werden allerdings von der modernen Geschichtsforschung angezweifelt, Militärhistoriker haben ausgerechnet, dass unter den damaligen Wegbedingungen in der Schweiz der ganze Zug mit Pferden und Ochsenkarren etwa 130 Kilometer lang gewesen wäre. Auch haben die Helvetier nicht, wie Caesar sagte, ihre Häuser angezündet, an den bekannten Siedlungsplätzen der Helvetier wurden von den Archäologen keinerlei Brandspuren entdeckt. Übrigens bestehen zwischen den heute lebenden Schweizern und den Helvetiern weder eine genetische noch kulturelle Beziehung. Die Alemannen sind die Urväter der Schweizer.

 

Barbarium Germanium.

Auf Caesars Weiterzug der auf gallischer Seite des Rheins, traf er erstmals auf germanische Stämme, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden und nun jenseits des Rhenus (Rhein) auf gallischem Gebiet siedeln wollten. Trotz ihrer Beteuerungen, keinen Krieg mit den Römern zu wollen, griffen sie anderntags die römische Reiterei an. Die Germanen schlitzten den Pferden die Bäuche auf, die Reiter waren einen Augenblick lang kampfunfähig, in diesem Moment wurden sie von den Germanen totgeschlagen. „Es kamen nämlich die Germanen in grosser Anzahl, besonders alle ihrer Häuptlinge und Ältesten, in der Frühe des folgenden Tages mit gleicher List und Verstellung zu ihm in sein Lager, teils, wie sie vorgaben, um sich zu entschuldigen, dass sie am vorigen Tag, gegen die Verabredung und ihr eigenes Ersuchen ein Treffen (Kampf) geliefert hätten; teils, um, wo möglich, durch List und Trug einen Waffenstillstand zu erhalten. Cäsar, froh, diese Leute in seiner Hand zu sehen, liess sie im Lager festhalten. Dann zog er mit seiner ganzen Macht aus, liess aber die Reiterei, die er durch das letzte Treffen noch in Furcht glaubte, den Nachtrab bilden.“ (Caes.Gall.4,16ff.)

Die überraschten Germanen, die ihrer Führer beraubt waren, gerieten in Panik und versuchten grösstenteils zu fliehen, wurden jedoch von den römischen Reitern eingeholt und niedergemacht. Keine grössere Chance hatten die, die zu den Waffen griffen. „Die Römer verloren nicht einen Mann, hatten bloss einige Verwundete und zogen sich so in der Lage aus einem ungemein gefürchteten Krieg zurück; hatten doch die Feinde aus einer Menschenmasse von 180.000 beim Treffen gestanden! Den Germanen, die im römischen Lager in Gefangenschaft gehalten wurden, gab Cäsar die Erlaubnis fortzugehen. Allein diese Leute fürchteten, von den Galliern, deren Gebiet sie verheert hatten, Rache und martervolle Misshandlung und erklärten ihren Wunsch, bei Cäsar zu bleiben. Dieser liess sie in Freiheit setzen.“ (Caes.Gall.4,15,1)

Im fernen Rom ging das Ränkeschmieden weiter, doch Caesar konnte von der Ferne auf die römische Politik Einfluss nehmen und durch sein nun offizielles Triumvirat die Konsulwahlen mitbestimmen. Weil Caesar die Gesandten der Germanen hatte verhaften lassen, was nach dem ungeschriebenen Kriegsrecht der Antike untersagt war, bevor er das germanische Heer überraschend angriff und besiegte, stellte Cato im Senat den Antrag, Caesar wegen Verstosses gegen die römische Kriegsethik durch arglistige Täuschung den Germanen auszuliefern.

Caesar dachte über ein weiteres prestigeträchtiges Unternehmen nach, die Überquerung des Rheins und das Eindringen ins germanische Barbaricum. Eine Strafexpedition zur Einschüchterung der Bevölkerung und um zu zeigen, dass jederzeit ein römisches Heer den Rhein überwinden und in Germanien eingreifen konnte. Zudem kamen Hilferufe von den germanischen Ubiern, die als einzige mit den Römern einen durch Geiseln bekräftigten Vertrag eingegangen waren, und die sofort Schiffe zum Übersetzen über den Rhein bereitstellen konnten. Caesar wollte aber seine selbstentworfene Brücke bauen, da die Strömung zu stark sei, um sicher mit Kähnen ans andere Ufer zu gelangen. Caesar beschrieb die Konstruktion der Brücke bis ins letzte Detail in seinem Buch „Bello di Gallo“ (4,17,1).

„Cäsar blieb wenige Tage in ihrem Gebiet, steckte alle Ortschaften und Gebäude in Brand, mähte die Feldfrucht ab und begab sich zu den Ubiern zurück, denen er für den Fall einer ferneren Anfeindung durch die Sueben (Schwaben) seine Unterstützung zusagte. Dagegen erfuhr er von diesen Folgendes: Nachdem die Sueben vom Bau der Brücke durch Kundschafter erfahren hatten, hätten sie ihrer Landessitte gemäss eine Versammlung abgehalten und nach allen Richtungen Boten ausgesandt mit dem Befehl, die festen Plätze zu verlassen, Weiber, Kinder und alle Habe in die Wälder zu schaffen und mit der ganzen waffenfähigen Mannschaft an einem Ort zusammenzurücken, wozu man ungefähr den Mittelpunkt des ganzen Suebenlandes auswählte; dort wollten sie die Ankunft der Römer erwarten und zu einem entscheidenden Treffen bereit sein. Cäsar, der dies vernahm, glaubte, für Ruhm und Vorteil genug getan zu haben, da der ganze Zweck seines Zuges über den Rhein erreicht war, den Germanen Furcht einzujagen, an den Sugambrern Rache zu nehmen und die Ubier von der Bedrängnis zu befreien. Nach einem Aufenthalt von vollen achtzehn Tagen zog er sich nach Gallien zurück und trug die Brücke ab.“ (Caes.Gall. 4,19,1) 


Britannia! (55-54 v. Chr.)

Caesars nächstes Husarenstück war die erste Landung von römischen Truppen in Britannien. Bevor er sich selbst auf das gefahrenvolle Unterfangen einliess, schickte er einen Vertrauten mit einem Kriegsschiff, Häfen und Küsten auszukundschaften. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Sichtung eines römischen Kriegsschiffes in Britannien. Einige Volksstämme schickten sofort Gesandte zu Caesar, um ihm ihre Unterwerfung zu bekunden und dies mit der Übergabe von Geiseln zu festigen. Caesar empfing sie freundlich, malte ihnen eine glückliche Zukunft unter römischer Herrschaft aus, mahnte sie aber zur Beständigkeit. Nach nur fünf Tagen kehrte Volusenus von seiner Spähtour zurück und berichtete Caesar über die Gegebenheiten an der britischen Küste. Der Spion hatte nicht den Mut, an Land zu gehen und mit der ansässigen Bevölkerung in Kontakt zu treten. Was Caesar einigermassen enttäuschte. Obwohl die Soldaten die Zeit für das Winterlager, besonders hier im Norden, für gekommen hielten, wollte Caesar unbedingt vorher noch den Abstecher nach Britannien machen. Er hatte bereits die notwendigen 80 Schiffe beschafft, um mit zwei Legionen die Überfahrt durch den Ärmelkanal und die Landung in Britannien zu wagen. „Cäsar selbst kam ungefähr um zehn Uhr morgens mit den ersten Schiffen an der britannischen Küste an und erblickte dort die auf allen Hügeln aufgestellte Streitmacht der Feinde in den Waffen. Die Örtlichkeit jener Gegend war aber so beschaffen: eng anliegende Berge schlossen das Meer so sehr ein, dass man von ihren Höhen mit den Wurfwaffen den Rand der Küste erreichen konnte. Weil Cäsar diesen Ort gar nicht günstig zur Landung fand, wartete er bis drei Uhr nachmittags vor Anker auf die Ankunft der übrigen Schiffe.“ (Caes.Gall 4,23,1) Nachdem alle Schiffe eingetroffen waren, gab Caesar den Befehl, dass auf sein Zeichen sofort alle Schiffsführer Steuerbord abdrehen und zu einer von Volusenus bereits rekognoszierten, sieben Meilen entfernten Bucht zu fahren und dort das Landemanöver auszuführen. Das Ufer der Landestelle war aber viel zu flach für die grossen, schwer beladenen Schiffe der Römer. So mussten sie weit draussen die Anker werfen. Zudem tauchten plötzlich Streitwagen und Ritter am Ufer auf, die Britannier hatten die Absicht Caesars durchschaut. Die Soldaten weigerten sich, mit der schweren Rüstung, in der Linken das Schild und in der Rechten das Schwert, ins Wasser zu springen, von dem sie nicht wussten, wie tief es war. Bis ein junger Bannerträger unter lautstarker Götteranrufung über Bord sprang. Um nicht wegen Feigheit angeprangert zu werden folgten auch die anderen Soldaten ihrem Feldzeichen.

 „Von beiden Seiten wurde heftig gekämpft: die Römer gerieten aber in grosse Verwirrung, da sie weder Reihe und Glied halten, noch festen Fuss fassen, noch ihren Fahnen folgen konnten, sondern der eine aus dem, der andere aus jenem Schiff sich an das erste beste Feldzeichen, auf das er stiess, anschloss. Dagegen sprengten die Feinde, denen alle Untiefen bekannt waren, so wie sie vom Ufer aus einzelne Römer ihre Schiffe verlassen sahen, mit hängenden Zügeln auf sie los und griffen sie in dieser nachteiligen Lage an. Viele umringten wenige. Andere beschossen von ungedeckter Seite die ganze Masse. Cäsar, der dies bemerkte, liess die Boote der Kriegsschiffe sowie die Wachschiffe bemannen und denen, die im Gedränge waren, zugehen. Sobald dann die Römer auf dem Trockenen standen und alle beieinander waren, geschah ein erster Angriff: Man schlug den Feind in die Flucht, konnte ihn jedoch nicht weiter verfolgen, da es Cäsars Reiterei unmöglich gewesen war, die Richtung ihrer Schifffahrt zu behaupten um die britische Insel zu erreichen. Dies allein fehlte ihm zum früheren Kriegsglück.“( Caes.Gall 4,26,1)

Ein heftiger Sturm riss einige von Caesars Schiffen mit sich. “Dadurch geriet das ganze römische Heer natürlich in die grösste Verlegenheit, denn man hatte keine anderen Schiffe zur Rückfahrt und besass zur Ausbesserung der noch übrigen keine Mittel. Auch war in diesen Gegenden nicht für Lebensmittel für den Winter gesorgt, weil kein Mensch daran zweifelte, dass man diese Jahreszeit wieder in Gallien zubringen werde.“ (Caes.Gall 4,29,1) Die britannischen Häuptlinge, die im Lager der Römer festgehalten wurden, bemerkten das Dilemma, in dem der Gegner steckte, heimlich schlich sich einer nach dem anderen aus dem römischen Lager und boten ihre Soldaten, trotz abgeschlossenem Friedensvertrag, auf. Die Britannier wollten die durch den Sturm und der immer noch fehlenden Reiterei vorübergehende Schwäche des römischen Heeres ausnutzen. Sie überfielen die 7. Legion beim Abernten des letzten Getreidefeldes der näheren Umgebung. Ein aufmerksamer Wächter des römischen Lagers erkannte in der Ferne eine Staubwolke und meldete dies Caesar. Sofort rückte er mit der 8. Legion aus, um den in arge Bedrängnis geratenen Soldaten der 7ten beizustehen. Sie fanden die ganze Legion von den britannischen Kämpfern eingekesselt auf dem halbabgeernteten Getreidefeld. „Als unter solchen Umständen die Römer durch den ganz ungewohnten Kampf in Bestürzung waren, brachte ihnen Cäsar im wichtigsten Augenblick Hilfe; denn sogleich bei seinem Erscheinen machte der Feind Halt und die Römer ermannten sich. Doch schien ihm der Zeitpunkt nicht günstig, um sich in ein Treffen einzulassen und den Feind zu reizen; deshalb hielt er sich ruhig in seiner Stellung und führte bald darauf die Legionen in ihr Lager.“ (Caes.Gall 4,32,1)

 

Rückzug und neuer Angriff.

Mit viel handwerklichem Geschick reparierten die Römer mit Resten der schwer beschädigten Wracks die noch am besten erhaltenen Schiffe. Es gelang ihnen, ausser 12 Schiffen, alle wieder seetüchtig zu machen. Nochmals hatten die entflohenen Häuptlinge ihre Völker überzeugt, dass dies der entscheidende Augenblick sei, um die geschwächten Römer zu besiegen, nach dem Sieg über die Römer werde sich wohl niemand mehr in kriegerischer Absicht auf die Insel wagen. Fast alle kriegstüchtigen Männer folgten ihren Anführern zum Lager der Römer, welche bereits in Schlachtordnung auf den Gegner warteten. „Kaum hatte das Treffen begonnen, als die Feinde den stürmischen Angriff der Römer nicht länger aushalten konnten, sondern die Flucht ergriffen. Man verfolgte sie so weit, wie es Schnelligkeit und Kräfte zuliessen, und machte eine gute Zahl von ihnen nieder, zog sich aber wieder ins Lager zurück, nachdem alles bewohnte Gebiet weit und breit verheert und in Brand gesteckt war.“ (Caes.Gall 4,35,1). „ Am selben Tag schickten die Feinde Gesandte, um Frieden zu erbitten. Cäsar erhöhte die früher verlangte Zahl der Geiseln auf das Doppelte und befahl, sie nach Gallien zu bringen, weil er sich bei der Überfahrt mit seinen gebrechlichen Schiffen nicht den Stürmen der bevorstehenden Tag- und Nachtgleiche aussetzen wollte. Dann bekam er günstigen Wind, lichtete bald nach Mitternacht die Anker und kam mit dem ganzen Geschwader wohlbehalten an der gallischen Küste an. Doch wurden zwei Frachtschiffe, die nicht mit den übrigen den selben Hafen erreichen konnten, etwas weiter nach Norden verschlagen.“ (Caes.Gall 4,36,1)

Kaum waren die ersten Kohorten an Land, wurden sie von den Morinern, mit denen Caesar vor seiner Abfahrt nach Britannien noch Frieden geschlossen hatte, mit der Absicht auf Beute von der Insel, angegriffen. Die endlich wieder vorhandene Kavallerie Caesars jagte die Feinde jedoch in die Flucht und setzte den fliehenden Moriner nach. Bis sie in den Schutz der Wälder kamen, wurden viele von den römischen Reitern erschlagen. „Hierauf liess Cäsar alle seine Legionen bei den Belgern (Belgier) das Winterlager beziehen. Dorthin sendeten ihm zwei britannische Völkerschaften die verlangten Geiseln; die übrigen alle taten dies nicht. Nach diesen Kriegstaten wurde auf den Bericht Cäsars durch den Senat ein zwanzigtägiges Dankfest verordnet.“ (Caes.Gall 4,38,1) Seinen Soldaten gönnte er im Winterlager kaum Ruhe, sie sollten bis zum Frühjahr so viele Schiffe wie möglich für die Invasion der britannischen Insel bauen. „Den Massstab und die Form dieser Fahrzeuge bestimmte er (Caesar) selbst. Um sie nämlich schneller laden und an Land ziehen zu können, liess er sie etwas niedriger machen als die Schiffe im Mittelmeer zu sein pflegen, hauptsächlich aber aus dem Grund, weil er bemerkt hatte, dass in dem Meer bei Gallien wegen des häufigen Wechsels von Ebbe und Flut die Wellen nicht so gross sind. Um aber desto mehr Lasten und Tiere aufnehmen zu können, musste die Breite dieser Schiffe etwas bedeutender werden, als dies bei den Schiffen der Fall ist, deren man sich in den übrigen Meeren bedient. Alle diese Fahrzeuge liess er zu Schnellseglern machen, wofür die Niedrigkeit sehr günstig ist. Der Bedarf zu ihrer völligen Ausrüstung musste aus Spanien herbeigeschafft werden.“ (Caes.Gall 5,1,1)

Wie jeden Winter, besuchte Caesar seine Provinzen in Oberitalien und auf der Balkanhalbinsel. Er hielt dort Gericht, kontrollierte die Verwaltung und drohte aufständischen Völkerschaften. Danach reiste er nach Gallien zurück. „Sogleich bei seiner Ankunft besuchte er sämtliche Winterlager und fand, dass durch den ganz ausgezeichneten Eifer seiner Leute, ungeachtet des äussersten Mangels an allem, etwa 600 Schiffe der oben beschriebenen Art und 28 Kriegsschiffe hergerichtet und fast ganz in den Stand gesetzt waren, um in wenigen Tagen vom Stapel zu laufen. Er erklärte den Soldaten und den Aufsehern des Geschäftes seine Zufriedenheit, gab ihnen weitere Befehle und bestimmte zum gemeinschaftlichen Versammlungsort den Hafen Itius, wo, wie er erfahren hatte, die bequemste Überfahrt nach Britannien war, vom Festland nur etwa 30 Meilen weit.“ (Caes.Gall 5,2,1) Caesar befürchtete einen gemeinsamen Aufstand der gallischen Völker, deshalb beorderte er ihre Häuptlinge nach Itius und eröffnete ihnen, dass sie als Geiseln mit auf den Feldzug nach Britannien mitkommen müssten. Besonders der vom Freiheitswillen besessene Häduer namens Dumnorix wollte unter keinen Umständen als Geisel des Caesars mitfahren. Anfangs versuchte Dumnorix, die Erlaubnis, in Gallien zu bleiben, durch alle möglichen Bitten zu erwirken, teils weil er an die Seefahrt nicht gewohnt sei und sich vor dem Meer fürchte, teils weil ihn gewisse religiöse Gründe abhielten.“ (Caes.Gall 5,6,1) Als alle seine Bitten von Caesar aber abgewiesen wurden, hetzte er die anderen Häuptlinge auf, gemeinsam zu fliehen und die in Gallien verbliebenen römischen Truppen anzugreifen. Keiner der Häuptlinge wollte sich auf das gefährliche Abenteuer einlassen. „Endlich trat günstiger Wind ein, und Fussvolk und Reiter mussten zu Schiff gehen. Alles war jetzt nur mit der Abfahrt beschäftigt. Siehe, da verlässt Dumnorix mit den Reitern der Häduer ohne Cäsars Wissen und Willen das Lager. Kaum hatte Cäsar solches erfahren, als er die Abfahrt einstellte, alles beiseite legte und den Befehl gab, ein grosser Teil der Reiterei solle ihm nachsetzen und ihn zurückbringen; mit dem Zusatz, ihn niederzuhauen, falls er sich zur Wehr setze; er glaubte nämlich, er werde in seiner Abwesenheit nur Tollheiten anstellen, da er ja schon in seiner Gegenwart seine Befehle missachte. Dumnorix widersetzte sich wirklich, als man ihn zurückführen wollte, verteidigte sich mit dem Schwert in der Hand und flehte die Seinigen bei ihrer Treue um Hilfe an, während er wiederholt laut rief, er sei ein freier Mann und Bürger eines freien Staates. Cäsars Leute aber umringten ihn dem Befehl gemäss und hieben ihn nieder; die Reiterei der Häduer kehrte vollzählig in das römische Lager zurück.“ (Caes.Gall 5,7,1)

„Er selbst lichtete an der Spitze von fünf Legionen (ca. 25.000 Mann) und einer gleichen Zahl Reiter (2.000), als er auf dem Festland zurückliess, gegen Sonnenuntergang die Anker. Er segelte mit gelindem Südwest ab und konnte, als auch dieser sich um Mitternacht legte, seine Richtung nicht beibehalten, sondern erblickte, von der strömenden Flut zu weit getrieben, bei Tagesanbruch Britannien links in der Ferne.“ (Caes.Gall 5,8,1) Mit kräftigem Rudern korrigierten die Schiffe ihre Zielungenauigkeit und fanden sich in derselben Bucht wie letztes Jahr wieder. Sie konnten unbehelligt an Land gehen und ein Lager aufbauen, denn als die einheimischen Krieger das nie gesehene Bild der 600 Schiffe starken römischen Armada wahrnahmen, flohen sie voller Angst hinter die nächsten Hügel.

Am Morgen wollte Caesar auf die Suche nach den geflohenen Britanniern, als er eine Depesche erhielt in der stand, dass wieder ein Sturm viele seiner Schiffe beschädigt hätten, ja einige seien an den Strand geworfen worden. Caesar liess Halt machen und ein Lager aufbauen, alle Handwerker in der Truppe wurden zur Schiffreparatur abkommandiert. In der Bucht zählte Caesar 40 Schiffe mit Totalschaden, er hoffte, dass mit diesen die weniger lädierten Schiffe wieder seetüchtig gemacht werden können. Zudem sandte er einen Boten zu seinem Stellvertreter Labienus nach Gallien, damit er möglichst viele Schiffe requiriert und sie zu ihm nach Britannien schickt.

Wegen seines schlechten Rufes wählten die Britannier Cassivelaunus zu ihrem Anführer, er hatte schon fast alle britannischen Völker angegriffen um sie zu unterwerfen, somit war er der einzige mit Erfahrungen im Angriffskrieg. Erst hatten die Römer grosse Mühe mit dem unorthodoxen Kampfstil der Britannier, sie agierten wie Einzelkämpfer, nie in geordneten Gruppen und da sie keine Rüstungen trugen, waren sie schnell und behände. Wenn sie vom Kampf ermüdet waren, zogen sie sich in die dichten Wälder zurück und liessen frische Kräfte an die Front.

„Tags darauf stellten sich die Feinde weit vom Lager auf den Höhen, zeigten sich nur zerstreut und reizten die Römer hitzig zum Kampf. Zur Mittagszeit aber, als Cäsar drei Legionen und die gesamte Reiterei unter dem Befehl des Legaten Gaius Trebonius, um Futter zu holen, abgeschickt hatte, stürmten die Britannier plötzlich von allen Seiten auf die Futtersammelnden los und zwar so kühn, dass sie selbst von den Adlern und Legionen nicht fernblieben. Die Römer aber warfen sie in einem hitzigen Angriff zurück und verfolgten sie so lange, bis die Reiterei, ermutigt durch die Unterstützung der Legionen, die ihren Rücken deckten, den Feind in die wildeste Flucht warf, wobei eine grosse Zahl fiel. Die übrigen aber vermochten nicht, weder sich zu sammeln, noch sich zu stellen, noch von den Streitwagen herabzuspringen. Infolge dieser Flucht gingen alle Hilfsvölker, die man überallher zusammengezogen hatte, sofort auseinander, und die Britannier kämpften von nun an nicht mehr mit vollständiger Truppenmacht gegen die Römer.“ (Caes.Gall 5,17,1)

„Cäsar, der ihre Absicht erkannte, zog mit seinem Heer zum Fluss Tamesis (Themse) in das Gebiet des Cassivelaunus. Über diesen Fluss kann man nur an einem Ort zu Fuß kommen, und auch da nicht ohne Schwierigkeit. Bei seiner Ankunft fand er ein zahlreiches Heer an dem anderen Ufer des Flusses in Schlachtordnung aufgestellt; das Ufer war mit hervorstechenden spitzen Pfählen geschützt, und solche Pfähle waren auch unter dem Wasser verdeckt im Strom eingerammt. Cäsar, der durch Gefangene und Überläufer davon unterrichtet wurde, schickte die Reiterei voraus und liess alsbald die Legionen folgen. Die Soldaten rückten aber, obgleich bis an den Hals im Wasser, so rasch und heftig vor, dass die Feinde den Sturm der Legionen und Reiterei nicht auszuhalten vermochten, das Ufer preisgaben und sich der Flucht überliessen.“ (Caes.Gall 5,18,1) Von nun an folgten die Britannier den Römern nur noch im Schutz der Wälder, wenn aber Caesars Truppen auseinander gingen um die Felder zu verheeren und die Häuser anzuzünden, stürzten sie unerwartet aus den Wäldern und griffen die Feinde rabiat an, bevor sie sich wieder in die Wälder zurückzogen. Wie Cäsar von den Trinobanten, die sich ihm unterworfen hatten, erfuhr, hatte Cassivelaunus ganz in der Nähe sein gut getarntes Hauptquartier. „Cäsar brach also mit zwei Legionen auf und fand den Platz durch Natur und Menschenhand ausnehmend befestigt; dennoch begann er, ihn von zwei Seiten zu bestürmen. Nur eine kurze Weile leistete der Feind Widerstand, dann aber hielt er den Andrang der Römer nicht aus und warf sich auf einer anderen Seite aus seiner Festung. Man traf dort eine Masse Vieh und viele Feinde wurden auf der Flucht teils ergriffen teils getötet.“ (Caes.Gall 5,21,1) Danach wagte Cassivelaunus nur noch einen missglückten Angriff auf die Schiffe der Römer, bevor er aufgab und sich dem Diktat von Caesar unterwarf. Dieser verbot ihm sämtliche kriegerischen Auseinandersetzungen gegen die bereits zu ihm übergetretenen Völker. Zudem legte er den Tribut fest, den Britannien jährlich an Rom zu zahlen hatte.

Da es verbreitet Unruhen in Gallien gab und der Herbst mit seinen Stürmen sich bereits angekündigt hatte, entschloss sich Caesar sein Heer zurück nach Gallien zu verlegen. Da es zu wenige Schiffe für das ganze Heer gab, mussten sie nach gelungener Überfahrt wieder leer zurück fahren um weitere Soldaten aufzunehmen. Caesar wartete lange auf die zurückkommenden Schiffe, den meisten gelang die Rückfahrt nicht mehr, wobei Caesar betont, dass keiner der Lastkähne mit Soldaten an Bord untergegangen sei. Das restliche Heer musste sich nun auf die vorhandenen Schiffe verteilen, völlig überladen dümpelten die Kähne über den Kanal.

 

Aufstand der Gallier. 58-51v. Chr.

Der Sommer in Gallien war heiss und es fiel fast kein Regen. Nach der Ankunft von Caesars Heer aus Britannien waren kaum Wintervorräte vorhanden. So sah sich Caesar gezwungen, sein Heer auf verschiedene Landstriche zu verteilen. Er wartete bis alle ihr Lager erreicht und befestigt hatten, dann brach er wie gewohnt in seine Provinzen nach Oberitalien auf. Kaum war Caesar abgereist, überfielen die Gallier gleichzeitig alle römischen Lager, so dass sie einander nicht zu Hilfe eilen konnte. Der König der Eburonen, Ambiorix war der Anführer der Gallier, ein durchtriebener und hinterhältiger Mann. Teils gelang es ihm, die Römer aus ihren befestigten Lagern zu locken oder sie unerwartet zu erstürmen. In ihrer Not schickten die Römer eine Depesche zu Caesar, in dem sie dringend um Hilfe baten. Erschreckt von der Nachricht, kehrte Caesar mit seinem Zug sofort um und sammelte in den umliegenden Orten die dort stationierten Soldaten zusammen. Als Ambiorix vom Nahen eines Heeres unter Caesar hörte, brach er die Belagerungen der noch nicht eingenommenen römischen Winterlager ab und zog mit seinem Heer Caesar entgegen.

„Bei Anbruch des folgenden Tages näherte sich die feindliche Reiterei dem Lager und begann ein Gefecht mit unseren Reitern. Cäsar befahl diesen, absichtlich zu weichen und sich ins Lager zurückzuziehen. Zugleich liess er auf allen Seiten einen etwas höheren Wall um das Lager aufschütten und die Tore verrammeln; bei diesen Arbeiten mussten seine Leute geflissentlich sehr viel hin- und herlaufen und sich furchtsam stellen. Durch all dies verleitet führten die Feinde ihre Truppen hinüber und stellten sich an einem nachteiligen Ort in Schlachtordnung. Als Cäsar sogar seine Posten vom Wall zurückgezogen hatte, rückten sie noch näher und beschossen von allen Seiten das Lager. Zugleich schickten sie ringsum ihre Herolde mit der Ankündigung, wer Lust habe, zu ihnen überzugehen, gleichviel ob Gallier oder Römer, dem stehe es bis neun Uhr ohne Gefahr frei; später sei es nicht mehr möglich.  Dabei bewiesen sie eine solche Verachtung der Römer, dass sie im Glauben, man könne durch die Tore, die mit einfachen Reihen von Rasen nur zum Schein zugelegt waren, nicht einbrechen, sich anschickten, teils den Wall mit den Händen auseinanderzureißen, teils die Gräben auszufüllen. Jetzt machte Cäsar einen Ausfall aus allen Toren zugleich und schlug mit seinen Reitern die Feinde augenblicklich in die Flucht, so dass sich nicht ein einziger zur Wehr setzte. Den größten Teil machte er nieder, alle übrigen liess er entwaffnen.“ (Caes.Gall. 5,51,1).

Gegen die germanischen Sueben (Schwaben) die die Gallier bei den Überfällen auf die römischen Winterlager unterstützt hatten, plante Caesar eine Straffaktion. Wieder liess er unter den staunenden Augen der Gallier in wenigen Tagen eine Brücke über den Rhein schlagen und rückte mit drei Legionen in die weiten Wälder Germaniens ein. Die Sueben hatten sich aber mit ihrer ganzen Habe in den hintersten Landzipfel ihres Territoriums zurückgezogen, wo sie die Römer kaum finden konnten. Caesar nutzte die Zeit während seine Soldaten auf der Suche nach Spuren der Sueben waren, die einheimische Tierwelt zu beobachten.


Caesars eigentümliches Tierleben.

„Eine Tierart sind die sogenannten Auerochsen, die in ihrem ganzen Äusseren, besonders an Gestalt und Farbe, dem Stier nahekommen, aber fast so gross sind wie ein Elefant. Diese Tiere besitzen eine gewaltige Stärke und Schnelligkeit; jeder Mensch und jedes Tier, das sie erblicken, ist verloren. Man gibt sich deshalb viel Mühe, sie in Gruben zu fangen und zu töten: ein mühevolles Jagdgeschäft, in dem sich die jungen Leute üben und abhärten; großes Lob erhält deshalb, wer die meisten erlegt hat und zum Beweis der Tat die Hörner der Tiere dem Volk aufweist. Der Auerochse wird übrigens nie zahm und gewöhnt sich nicht an die Menschen, auch wenn man ihn ganz jung einfängt; seine Hörner sind an Weite, Gestalt und Aussehen von den Hörnern unsere Ochsen sehr verschieden; man sucht sie eifrig, fasst den Rand mit Silber ein und verwendet sie bei glänzenden Festmählern als Becher.

Ferner der Elch. Er gleicht an Gestalt und Farbenwechsel des Fells dem Reh, ist aber etwas grösser; seine Hörner sind nur ein Stumpf, und seine Beine ohne Knöchel und Gelenke. Wenn er ausruhen will, legt er sich deshalb nicht nieder und kann sich, wenn er durch einen Zufall niederstürzt, nicht aufrichten oder aufhelfen. Bäume dienen ihm daher als Lager; an sie lehnt er sich an und so ruht er, nur etwas rückwärts gebeugt, aus. Wenn nun die Jäger an den Spuren bemerken, wo er sich hinzubegeben pflegt, so untergraben sie entweder alle Bäume in der Wurzel oder hauen sie so an, dass sie nur noch dem äussersten Schein nach stehen. Lehnt sich dann ein Elch seiner Gewohnheit nach daran, so drückt er den geschwächten Baum durch seine Last nieder und fällt selbst mit zur Erde.“ (Caes.Gall. 6,27,1) (Da hat aber ein Germane Caesar einen schönen Bären aufgebunden.)

Nach langen Jahren von blutigen Schlachten, langwierigen Belagerungen und hitzigen Gefechten gegen die vereinigten Gallier unter Vercingetorix, gewinnt Caesar Oberhand und schlägt den allgemeinen Aufstand der Gallier nieder. „Schliesslich schliesst Caesar Vercingetorix mit seinen 80 Tausend Mann in Alesia ein. Weil die 240 Tausend Gallier zu Fuss und die 8000 gallischen Reiter, die von aussen Caesars Verschanzungen angreifen, keinen Erfolg haben und geschlagen werden, muss Alesia kapitulieren. Vercingetorix liefert sich, um das Leben seiner Leute zu retten, persönlich an Caesar aus.“ (Caes.Gall.7,68-90) Auf diesen Bericht Cäsars über die Ereignisse in Gallien, wurde in Rom ein Dankesfest von zwanzig Tagen gefeiert.

 

Tabula rasa


Caesar reiste zügig in seine Provinzen in Oberitalien, wo er mit grosser Freude empfangen wurde, alle Strassen waren dekoriert und die Bewohner jubelten ihm zu. Vom Senat erreichte ihn die Kunde, dass er zwei Legionen für den Krieg gegen die Parther freistellen müsse. Tatsächlich kamen die Legionen unter das Kommando seines Gegenspielers Pompeius, der während Caesars Abwesenheit in Gallien die Seiten gewechselt hatte und von den Popularen zu den Optimaten überlief. Caesar schrieb dem Senat einen höflichen Brief, in dem er seine Bereitschaft erklärte sich mit den Oberitalienischen Präfekturen und zwei Legionen zufrieden zu geben und erst wieder zu den Konsulwahlen in Rom zu erscheinen. Und er hoffe, dass die unerfreuliche Angelegenheit friedlich zu lösen sei. Nach der Ermordung der beiden Volkstribunen, flohen ihre Nachfolger schon nach sechs Tagen aus Rom zu Caesar. Etwa gleichzeitig traf ein Ultimatum des Senats ("Senatus consultum ultimum") bei ihm ein des Inhalts, Pompeius sei zum alleinigen Vaterlandsverteidiger bestimmt worden und Caesar müsse alle seine Legionen an ihn abtreten und alleine nach Rom kommen. „Jetzt konnte niemand mehr im Zweifel sein, was man gegen Cäsar im Schilde führte; er aber wollte sich dennoch alles gefallen lassen, solange er noch einigermassen Hoffnung hatte, die Sache eher auf dem Wege des Rechts als mit den Waffen zu entscheiden. Er verlangte deshalb in einem Schreiben an den Senat, auch Pompeius solle den Oberbefehl niederlegen, indem er seinerseits versprach, dasselbe zu tun; im entgegengesetzten Fall müsse er an sich und das Vaterland denken.“ (Caes.Gall.8,55,1)

Caesar entschloss sich, mit seinen restlichen Truppen gegen Rom zu ziehen. Am 10. Januar 49 v. Chr. überquerte Caesar den Rubicon, was faktisch einer Kriegerklärung an den römischen Senat gleich kam. „alea iacta est“ (Der Würfel ist geworfen worden), dieses bekannte Zitat soll Caesar nach der Rubikonüberquerung gesagt haben.

Innerhalb von 60 Tagen eroberte Caesar ganz Italien. Die römische Oberschicht, die Konsuln, die Senatoren und auch der Oberbefehlshaber Pompeius flohen aus Rom nach Griechenland. Caesar betrat nach 10 Jahren wieder seine Heimatstadt Rom, er kannte sich kaum mehr aus, unterdessen ist Rom eine Millionenstadt geworden. Er bemächtigte sich der schon halbgeplünderten Staatskasse und stellte ein neues Heer zusammen, mit dem er die iberische Halbinsel von den Optimaten unterstehenden römischen Truppen befreien wollte. In kurzer Zeit schlug er alle römischen Feldherren mit ihren Heeren. Auf dem Rückweg nahm er noch das widerspenstige Massilia (Marseille) ein. Dort erfuhr er, dass er vom zur Zeit ranghöchsten Beamten in Rom, Praetor Marcus Lepidus für das nächste Jahr zum Konsul und Dictator ernannt worden sei. Caesar behielt die Diktatur nur 11 Tage, in dieser Zeit traf er folgende Regelungen: Neue Durchführung der Konsulatskomitien, Regelungen zum Schuldenwesen (Caesar war selber hoch verschuldet), Rückberufung der meisten Verbannten, Verleihung des Bürgerrechts an Gallia transpadana (Oberitalienische Gallier).

Danach zog er mit drei Legionen (ca. 15.000 Mann) über die Adria nach Griechenland. Bei Dyrrhachium entging er knapp einer Niederlage gegen die mehr als doppelt so starke Armee des Pompeius. Bei der nächsten Schlacht, in der Nähe von Pharsalos, drängten die cäsarfeindlichen Senatoren den eher vorsichtig operierenden Pompeius zum sofortigen Angriff. Es kam zu einem verheerenden Gemetzel, wobei die zahlenmässig überlegenen Truppen von Pompeius vernichtend geschlagen wurden. Pompeius konnte im letzten Moment die Flucht ergreifen und sich nach Ägypten absetzen. Dort erwartete Ptolemaios XIII. in vollem Königsornat seinen Vormund Pompeius, der 12jährige Pharao wollte dem in Bedrängnis geratenen väterlichen Freund Schutz bieten. Jedoch seine Minister hielten den Aufenthalt eines Feindes von Caesar für Ägypten als zu gefährlich. Ohne Wissen des kleinen Königs liessen sie Pompeius töten.

 

Der Alexandrinische Krieg. (48 – 47 v.Chr.)

Caesar verfolgte Pompeius mit seinem kleinen Heer (4.000 Mann) bis Alexandria. Obwohl die ägyptische Regierung aus Furcht Pompeius, den Feind von Caesar, getötet hatte, besetzte Caesar das Palastviertel und nahm die königliche Familie als Geiseln, allerdings fehlten die beiden Oberhäupter der Ptolemäer, die standen sich mit ihren Heeren gegenüber, um zu entscheiden, wer Pharao werden soll. Caesar schickte einen Boten zu den beiden Widersachern mit dem Aufruf, den unnötigen Krieg zu unterlassen und zurück in den Palast nach Alexandria zu kommen, er werde dann zwischen dem 12jährigen Ptolemaios XIII und der 18 jährigen Kleopatra VII entscheiden.

    

Caesar konnte die verstrittenen Geschwister wieder versöhnen und sie zur Annahme der von ihrem Vater vorgesehenen Doppelregentschaft plus Vermählung bringen. Doch bald griff das Heer (20.000 Mann) des Ptolemaios Alexandria an, sodass Caesar mit seiner lediglich 4.000 Mann starken Truppe in arge Bedrängnis geriet und er zeitweise um sein Leben bangen musste. Im letzten Moment traf endlich die römische Verstärkung ein und befreite Caesar aus seiner misslichen Lage. „Da alexandrinische Boote in ihrem Rücken landeten, fürchteten die Römer abgeschnitten zu werden und versuchten, die an der Mole gelegenen Boote zu besteigen, um zu ihren entfernteren Schiffen zu gelangen. Caesar geriet in eine lebensgefährliche Situation, als sich zu viele Soldaten auf sein Boot drängten, musste er mit seinen fast 53 Jahren an die 200 Schritte durch das kalte Wasser zu den weiter weg gelegenen Schiffen um sein Leben schwimmen.“ (Cassius Dio 42, 42) Auf Bitten der alexandrinischen Bevölkerung liess Caesar den kleinen König frei, der versprach, sich um einen Waffenstillstand zu bemühen. Doch Ptolemaios ging zu seinen Truppen und hetzte sie erneut gegen Caesar auf. Durch ein Täuschungsmanöver überraschte Caesar das ägyptische Heer und fügt ihm eine schwere Niederlage zu. Auf der Flucht drängten sich zu viele Menschen auf das selbe Boot wie Ptolemaios, das völlig überladene Schiff sankt und der junge Pharao Ptolemaios XIII ertrank in den Fluten des Nils. Nachdem sich Memphis und auch Alexandria ergeben hatten, fand Caesar endlich Zeit, mit Kleopatra eine dreimonatige Nil-Reise zu unternehmen.

Caesar wollte dem Testament des verstorbenen Ptolemaios XII Geltung verschaffen, das eine Doppelregentschaft seiner beiden Kinder und die Heirat der Geschwister unter der Aufsicht von Rom vorsah. Am nächsten Tag erschien Ptolemaios bei Caesar, nach einer kurzen Unterredung meinte Caesar, man wolle auf die Ankunft von Kleopatra warten. Der gewiefte kleine Ptolemaios hatte aber die Torwächter angewiesen, seine Schwester Kleopatra nicht in die Stadt zu lassen. Nach mehreren gescheiterten Versuchen gelang es Kleopatra, in einem Bettsack, der von einem ihrer Vertrauten, einem Sizilianer namens Apollodoros, in den Palast getragen zu werden. Als Caesar die listige Aktion von Kleopatra erfuhr, machte er ihr grosse Komplimente für ihren Einfallsreichtum.

Mit neuem Elan setzte Caesar nach Kleinasien über und rieb in der Schlacht bei Zile in nur vier Stunden das ganze Heer von Pharnakes II. von Pontus auf. Danach machte Caesar den lakonischen Ausspruch „veni, vidi, vici“.

(2012 berichtete die Süddeutsche, dass das türkische Dorf Zile die Rechte an dem berühmten Satz „Veni, vidi, vici“ unter der Patentnummer „2011-00640-Ticaret“ hält. (Süddeutsche Zeitung vom 17. April 2012, S.10)

Der nächste Kriegsschauplatz lag in der Provinz Africa, in der Schlacht bei Thapsus schlug er die republikanischen Senatstruppen unter Metellus Scipio und Cato dem Jüngeren, der nach der verheerenden Niederlage sich das Leben nahm. Nächste Station war Spanien, dort kämpfte Caesar erfolgreich seine letzten Gegner nieder. Somit waren die letzten Republikaner ausgeschaltet und die Republik faktisch am Ende.

 

Caesar, lebenslanger Diktator.

Caesar liess sich in Rom endlos feiern. Sein Triumphzug durch Rom konnte an Pracht nicht mehr überboten werden, die riesige Beute, die gefangenen Feldherren, unter ihnen der gallische Heerführer Vercingetorix, der wie alle anderen mitgeführten Feinde am Ende der Feierlichkeiten hingerichtet wurde. 72 Liktoren (Bundesweibel) begleiteten den Zug. Unzählige geschmückte Opfertiere und lebende Bilder seiner Siege in Gallien, Ägypten, Griechenland und Afrika. Am Schluss des bunten Zuges die Soldaten, die traditionsgemäss Spottlieder über den Triumphator sangen, vor allem über Caesars schütteres Haar machten sich die Soldaten lustig. Caesar verordnete seinem Volk 40 Tage Dankfest, er bewirtete das Pleps mit einem üppigen, öffentlichen Mahl, weiter beschenkte er          Vercingetorix        jeden Bürger mit 100 Denare, Getreide und Öl. Jeder Soldat erhielt 5 Tausend Denare, jeder Reiter 10 Tausend, jeder Militärtribun und Reiteroberst 20 Tausend Denare. Er veranstaltete aufwändige Spiele für das Volk. Weiter lässt Caesar ein neues Forum bauen und den Venus-Tempel, den er vor der Schlacht von Pharsalos gelobt hatte zu errichten. Caesar wird in Rom zum Dictator auf Lebenszeit ernannt und erfährt vielfältige weitere Ehrungen. Seine Kalenderreform vereinfacht die komplizierte und ungenaue Berechnung der Pontifices (der julianische Kalender war bis zum späten Mittelalter in Gebrauch). Im Senat wollte Caesar auf einer sella curulis (mit Elfenbein und Gold verzierter X-förmiger Klappstuhl) neben den Konsuln sitzen und seine Stimme als erster abgeben. Caesar gab eine Statue in Auftrag, die ihn auf der Erdkugel stehend darstellte und mit der Inschrift 'Halbgott' versehen war. „Hierauf kehrte Caesar, nachdem er im ganzen Reich den Bürgerkrieg beigelegt hatte, nach Rom zurück. Allein, jetzt nahm er im Widerspruch zum römischen Freistaat ein allzu anmassendes Betragen an. Staatsämter, die früher das Volk vergab, verteilte er allein nach Laune, erhob sich nicht mehr von seinem Sitz, wenn der Senat zu ihm kam, und benahm sich auch noch in anderen Beziehungen wie ein König oder wohl gar wie ein Zwingherr.“ (Eutropius 6.25)

 

Kleopatra in der ewigen Stadt.

Kleopatra, die Caesar vor drei Jahren hochschwanger verlassen hatte, besuchte Rom, angeblich zur feierlichen Unterzeichnung des Römisch-Ägyptischen Bündnisses. Mit allem orientalischen Pomp zog die schöne Pharaonin durch die Stassen Roms, in die Häuser auf der anderen Seite des Tiber, in die Caesar Kleopatra und ihre Equipage einquartiert hatte. Ob ihr Sohn Caesarion (kleiner Caesar) auf der Reise mit dabei war, wird nirgends erwähnt, es ist jedoch anzunehmen, dass Kleopatra die Anerkennung der Vaterschaft von Caesar verlangte und vielleicht auch auf eine Heirat pochen wollte. Caesar stritt die Vaterschaft nicht ab, aber ehelichen konnte der bereits verheiratete Caesar Kleopatra, die ihrer seits mit ihrem kleinen Bruder Ptolomaios XIV vermählt war, nicht. Er ehrte aber seine Geliebte mit einer goldenen Statue, die unverkennbar Kleopatras Züge aufwies, im Venus-Tempel als Inkarnation der Göttin Isis (Venus). Diese Vergöttlichung der ägyptischen Vasallenkönigin wurde von den Römern freilich mit Empörung aufgenommen. Während Kleopatra von Caesar grosszügige Geschenke bekam, gab sie in ihrer Römer Villa rauschende Feste und Bankette, die von den höchsten Kreisen Roms besucht wurden, wohl auch in der Hoffnung, über Kleopatra Einfluss auf Caesar nehmen zu können. Die öffentliche Liaison mit der verheirateten Kleopatra brachte Caesar natürlich ins Gerede. Der Plebs meinte, dass er schliesslich mit Calpurnia verheiratet sei, während Kleopatra mit ihrem Bruder-Gemahl angereist war. Doch der Diktator ignorierte die öffentliche Meinung. Er soll sogar ein auf eine mögliche Hochzeit mit Kleopatra gemünztes Gesetz geplant haben, das ihm mehrere legitime Ehen, auch mit Frauen nichtrömischer Herkunft, gestattet hätte.

Caesar strebte immer deutlicher sichtbar nach der Alleinherrschaft und wurde dabei wohl von Kleopatra, die in einer absoluten Monarchie aufgewachsen war, bestärkt. Sie hatte keinen Sinn für die Machtbestrebungen des Konsultativsenats. Göttliche Ehrungen waren für eine ägyptische Pharaonin normal. Caesar lehnte ebenfalls die römische Tradition einer republikanischen Staatsform immer mehr ab, und orientierte sich zunehmend an östlichen Autokratien. Seine royalistischen Ambitionen zeigte Caesar unverhohlen, in dem er bei allen offiziellen Angelegenheiten das Gewand des Triumphators trug, der Lorbeerkranz immer sein Haupt krönte, als erster lebender römischer Regent liess er Münzen mit seinem Portrait prägen, zu seiner kultischen Verehrung liess er in ganz Rom Bildsäulen aufstellen, ein Tribus (Quartier) bekam seinen Namen, und auch den Monat Quintilis benannte er in seinen Familiennamen Julius um. Die Römer fürchteten nun, dass Caesar die Errichtung eines Königreichs nach ägyptischem Vorbild mit ein paar römischen Elementen anstrebte und mit der Heirat von Kleopatra eine neue Dynastie gründen wollte, mit Caesars Sohn Cesarion als erstem Thronfolger. Dementsprechend kursierten gar Gerüchte über eine Verlegung der Hauptstadt nach Alexandria. Kleopatras herablassende Behandlung von oppositionellen Senatoren steigerte die Verärgerung über die anmassende Vasallenherrscherin von Roms Gnaden.


Caesars Testament.

Heimlich bildete sich eine Verschwörergruppe um Marcus Iunius Brutus, sie sahen in der Ermordung Caesars die einzige Möglichkeit die Republik zu retten. Vor einer Senatssitzung stürzten sich Brutus und sein Freund Cassius auf Caesar und töteten ihn mit 23 Messerstichen (15. März 44 v.Chr.).

Auf die Testamentseröffnung war nicht nur Kleopatra, die für ihr gemeinsames Kind Caesarion die Nachfolge als römischen Herrscher erwartete, gespannt. Caesar vermachte dem Volk von Rom seine Gärten am Tiber und 300 Sesterzen (ca. 1/3 Monatssold von Soldaten) für jeden Bürger. Er adoptierte posthum seinen Grossneffen Gaius Octavius (den späteren Kaiser Augustus) und machte ihn zum Haupterben. Kleopatra und ihr Sohn wurden im Testament mit keinem Wort erwähnt, damit verloren sie jeglichen Schutz in Rom. Als Hassobjekt vieler Senatoren wurde die orientalische Potentatin mit dem Tod bedroht. Hals über Kopf floh Kleopatra aus Rom und segelte   zurück an den Nil.

In Rom wurde eine Gedenkmünze, die das Attentat auf Caesar feierte, herausgegeben, die auf der einen Seite Brutus, auf der anderen zwei Dolche und ein Pileus (römische Mütze der Freiheit) zeigt. Überraschenderweise zeigte jedoch die Bevölkerung eine grosse Verehrung für den toten Caesar, es dauerte Tage bis der Scheiterhaufen zur Verbrennung der Leiche aufgestellt war, da viele Bürger noch Totengaben darauf legen wollten. Auf dem Marsfeld wurden aufwändige Leichenspiele veranstaltet, die auch emotional aufrüttelnde Inszenierungen von Tragödien umfassten. Vor dem Rednerpult stand ein verkleinertes Modell des von Caesar gestifteten Venus-Tempels, in dem die blutige Toga des ermordeten Dictators ausgestellt war. Konsul Antonius verlas einen Senatsbeschluss, wonach Caesar „alle göttlichen und menschlichen Ehren“ (Sueton) zuerkannt wurden. Im Anschluss an die Bestattung versuchte der Mob, die Häuser der Caesarmörder zu stürmen, um sie zu töten. Brutus, Cassius und die anderen Verschwörer, die eigentlich damit gerechnet hatten, als Befreier und Wiederhersteller der Republik gefeiert zu werden, zogen sich daher heimlich aus Rom zurück. Zur Stabilisierung der Lage erkor der Senat ein Triumvirat, dem auch der Adoptivsohn von Caesar Octavian angehörte. Als erste Amtshandlung veröffentlichten sie Proskriptionslisten (Todeslisten), die vielen republikanisch Gesinnten (ca. 2.300) das Leben kostete. Die geflohenen Caesar Mörder fanden in Griechenland grosszügige Unterstützung, sie bekamen die Provinz Makedonien und konnten dort ein Heer aufstellen. Nachdem Brutus ein Dämon erschienen war, der zu ihm sagte: “Wir sehen uns bei Philippi wieder“ brach er mit seinem Heer auf und traf dort wirklich auf die gegnerischen Caesar-Veteranen, trotz Abwesenheit ihres Feldherrn Octavian schlugen die Kaisertreuen das republikanische Heer vernichtend. Damit schwand die letzte Hoffnung für die Wiederherstellung der Republik. Nach dieser endgültigen Niederlage nahm sich Brutus das Leben.

 

PS. Als Alt-Bundesrat Blocher nach seiner kurzen Amtszeit wegen seiner „veni, vidi, vici“ Mentalität und seiner Geringschätzung des Parlaments wieder abgewählt wurde, empfand er anscheinend seine Absetzung als Caesarenmord, denn seine letzten Worte ans Parlament als Bunderrat waren: “Wir sehen uns bei Philippi wieder“. Offenbar waren für ihn die Würfel noch nicht gefallen.