Grieche ist man nicht durch Geburt,

 sondern durch Vernunft und Bildung.

      Isokrates

 

Streifzug durch die Geschichte der antiken Hellenen, der griechischen Philosophen und der attischen Demokratie.

 

 1. Teil

Die griechische Götterwelt

 

Götterwerdung (Theogonie)

Die aus dem Ur-Chaos geborenen Gaia (Göttin der Erde) wurden von den antiken Geschichtsschreiber gegen 100 Geburten angedichtet (von Hesiod, Homer, Eumelos, Aischylos, Apollonios, Diodor). Sie schenkte zwar sowohl Zyklopen als auch Drachen das Leben, Vegetationsdämonen, orgiastische Ritualtänzer und die schöne Elena brachte Gaia ebenso zur Welt. Vorher schuf sie sich selbst einen Gespielen (Uranos) den sie ohne Begattung im Schlaf gebar. Gaia vertraute Uranos den Himmel an „dass er sie immer umgebe und dass er auf ewige Zeit der seligen Götter sichere Wohnung sei“ (Hesiod, Theogonie).

Mit seiner Mutter Gaia hatte Uranos viele Nachkommen; erst die Titanen, drei Zyklopen und drei Hekatoncheiren  (Hundertarmige). Alle diese Kinder waren Uranos verhasst, er verbarg sie in der Tiefe der Erde, im Tartaros (Vorhölle) – nach Michael Köhlmeier stiess er diese mit seinem riesigen Phallus immer wieder in Gaia zurück. Diese böse Tat erfreute ihn, so erzählt es Hesiod. Und sie erboste Gaia, die daraufhin aus göttlichem Stahl eine Sichel verfertigte und ihre Söhne anstiftete den Vater zu entmannen. Alle erschraken ob dem Gesang der „Königin der Nacht“. Doch der Titan Kronos erklärte sich schliesslich bereit, diese mörderische Aufgabe zu übernehmen, da Uranos die erste böse Tat im Universum begangen habe. Mit Uranos kam das männliche Element in die Welt.

Als Uranos das nächste Mal zu Gaia steigen wollte, schnitt Kronos seinem Vater mit der Sichel den verhassten Schwanz ab. Blut und Samen fallen auf die Erde; daraufhin gebiert Gaia die drei Furien (Erinnyen). Das Geschlechtsteil des Uranos warf Kronos ins Meer. Doch Uranos letzte Manneskraft zeugte noch im Meer Aphrodite „die Schaumgeborene“.

Das war das letzte Lebenszeichen von Uranos, er kommt in der weiteren griechischen Geschichte nicht mehr vor. An seine Stelle trat sein Sohn und Rächer der Titan Kronos.

 

„Goldenes Zeitalter“.

In dieser mystisch verklärten Epoche entstand das Paradies auf Erden. Alle Pflanzen gediehen auch auf kargstem Boden. Keine mühsamen Feldarbeiten waren mehr nötig um alle Mäuler satt zu kriegen. Alle Lebensbedürfnisse wurden durch die Natur befriedigt. Die Menschen waren hervorragend in ihre natürliche Umwelt eingebettet. Die sozialen Verhältnisse waren damals ideal und Kriege, Verbrechen und Laster waren unbekannt.

„Die Menschen waren mit den Göttern befreundet und kannten kein Unheil. Ihre Körper alterten nicht, ihr Tod war ein Einschlafen. Später wurden sie von Zeus in wohlwollende Geister verwandelt, die in den folgenden Zeitaltern die Sterblichen behüteten und beschenkten. Diese Aufgabe nehmen sie weiterhin wahr“ (Hesiod`s Lehrepos „Werke und Tage“).

Bei manchen Autoren trat zu den traditionellen Merkmalen der mythischen Urzeit ein neues Motiv hinzu, nämlich das Ideal erotischer Unbefangenheit und Freizügigkeit. Die Knabenliebe gestaltete sich als „erotisch gefärbtes Mentorat “.

Einzig der Vatermörder und jetzige Herrscher Kronos steht etwas quer in der lieblichen Landschaft. Er frisst, aus Angst das gleiche Schicksal wie sein Vater zu erleiden, alle Kinder die er mit seiner angetrauten Schwester hat, sofort nach der Geburt auf. Reha floh als sie mit Zeus schwanger war nach Kreta und gebar in der „Höhle von Psychro“ den neuen Herrscher des Olymp. Vater Kronos gibt sie anstatt des neugeborenen Zeus einen in eine Windel gewickelten Stein, den er gierig verschlingt. Danach kotzt er seine gesamte Nachkommenschaft.

Antike Kritiker bewerteten jedoch dieses angestrebte einfache Leben im Einklang mit der Natur als statisch und fortschritts- und kulturfeindlich.

 

„Silbernes Zeitalter“

Die Kindheit des silbernen Menschen dauerte ein ganzes Jahrhundert, die Lebensspanne der Erwachsenen war dafür relativ kurz. Dieses zweite Geschlecht wurde von Zeus allerdings schon bald wieder vernichtet, da es ihnen an Frömmigkeit mangelte. Sie waren mutwillig untereinander und kannten keine Ehrfurcht für die Götter. Nach ihrem Ende wurden die silbernen Menschen zu seligen Toten in der Unterwelt (Hesiod, Werke und Tage 127142.).

Das silberne Zeitalter bei Ovid ist dadurch gekennzeichnet, dass nicht mehr ewiger Frühling herrscht und nicht mehr alles von selbst wächst. Der Wechsel der Jahreszeiten beginnt, irgendwann kommt der Winter mit seiner Kälte, wärmende Wohnung und Kleidung werden nötig, was geerntet werden soll, muss zuerst angebaut werden und damit beginnt die Mühsal der Arbeit (Ovid, Metamorphosen 113124).

Zeus.

Zu dieser Zeit bildete sich auch allmähliche der Olympische Kosmos. Eine unübersichtliche Anzahl von Göttern, Göttinnen, Halbgötter und ihre göttlichen Vollstrecker liebten und bekriegten sich kreuz und quer. Und über allem thronte der ehemalige Wettergott Zeus. Allerdings musste er bevor er zum Hauptgott avancierte das Göttergeschlecht der Titanen besiegen. Mit Hilfe der Zyklopen die ihm Blitz, Zündkeil und Donner als Waffen übergaben und den hundertarmigen Hekatoncheiren gelang es die Titanen in die Tiefen der Unterwelt zu treiben.

Zwar war der nun unumschränkte Herrscher des Olymps mit seiner eifersüchtigen Schwester Hera verheiratet, was Zeus allerdings nicht hinderte unzählige Liebschaften zu haben. Die Amouren wurden aber nach kurzer Zeit von der eifersüchtigen Gemahlin beendet. Trotzdem gelang es Zeus neben mehreren Kindern mit seiner angetrauten Schwester noch unzählige Göttinnen und Götter (Artemis, Iris, Castor, Pollux, Hermes, Apollon, Dionysos) Nymphen, Halbgöttinnen und Sterbliche zu zeugen. Um die ahnungslosen Frauen zu verführen, scheute sich Zeus nicht in falscher Gestallt aufzutreten, ob als niedlicher Kuckuck, stolzer Adler, potenter Stier, possierlicher Schwan, armer Hirte, anschmiegsame Schlange oder er rieselte romantisch als goldener Regen vom Himmel.

Die einzige Liebschaft von Dauer war wahrscheinlich die zum Königssohn Ganymed dem „Schönsten aller Sterblichen“. In Gestalt eines Adlers raubte Zeus den anmutigen Knaben und flog mit ihm in den Olymp. Dort diente Ganymed Zeus als Mundschenk.

Die Sage gewann im antiken Griechenland und im Römischen Reich grosse Popularität, denn er gab der leidenschaftlichen Liebe erwachsener Männer zu Knaben (Ephebophilie) eine religiöse Berechtigung.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4b/Berlin_Painter_Ganymedes_Louvre_G175.jpg

 

Olympischer Götterspiegel.

Der Mystische Göttersitz ist der Olymp, das höchste Gebirge Griechenlands (2918 m), gelegentlich auch als Zeusthron bezeichnet. Das heute geschützte Gebiet weist viele Besonderheiten auf und umfasst eine Vielfalt an seltenen und bedrohten Arten. Vor allem in der Hochgebirgszone haben sich am Olymp einige endemische Pflanzenarten erhalten. Es gibt etwa 30 Orchideenarten, Enzian, Panzerkiefer und Buchsbaum. 32 verschiedene Säugetierarten, dazu gehören z. B. die Gämse, das Reh, das Wildschwein, die Wildkatze, der Steinmarder, der Rotfuchs und das Eichhörnchen (den letzten Bären schoss ein Wilderer, 2008). 108 Vogelarten wurden registriert. Viele von ihnen, speziell die Greifvögel, sind sehr selten. Auch leben am heiligen Berg eine grosse Vielfalt an Insekten, vor allem Schmetterlinge. Eigenartig sind auch die erdmagnetischen Besonderheiten des Berges.     

Im engeren Sinne gelten als Olympier jene zwölf Götter, die die zwölf Wohnungen des Olymp bewohnen:

Zeus,                                                                                        

der indogermanische Wettergott, als Hauptgott, der mit der Zeit zum alles beherrschenden Vater der Götter und Menschen avanciert.                


Weitere Götter mit indogermanischen Wurzeln:

Demeter,                                                                                                

die Erdmutter, ist eine dreifache Muttergöttin aus dem griechisch-kleinasiatischen Raum. Sie ist zuständig für die Fruchtbarkeit der Erde, des Getreides, der Saat und der Jahreszeiten. Als dreifaltige Göttin tritt sie in verschiedenen Manifestationen auf: als Jungfrau, Mutter oder alte Frau.

Poseidon,                                                                                                

den man etymologisch als "Gatte der Erde" verstehen kann und der zum Gott des Meeres mutierte.  In der Tiefe des Meeres steht sein kristallener Palast.

Hestia, 

die Schützerin von Haus und Herd, Göttin des Familien- und Staatsherdes, des Herd- und Opferfeuers.

Hermes, 

der für glückliche Erfolge verantwortlich ist. Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten, andererseits auch der Gott der Diebe, der Kunsthändler, der Redekunst, der Gymnastik. Als Götterbote verkündet er die Beschlüsse des Zeus und führt die Seelen der Verstorbenen in den Hades.



Wesen aus früheren, lokalen Kulten:

Hera   

"Herrin" vielleicht aus Thrakien. Einmal im Jahr vereinigte sie sich auf Samos mit ihrem Gatten Zeus unter einem Keuschbaum („Heilige Hochzeit“). Ein Bad im Fluss Imbrasos erneuerte danach ihre Jungfräulichkeit.

Leto,                                                              

und ihre Zwillingskinder stammen aus Kleinasien. Leto wird eine Geliebte des Zeus. Dieser zeugte mit ihr die Zwillinge Artemis und Apollon.

Artemis,  

die jungfräuliche Hegerin des unzugänglichen Waldes. Die Göttin der Jagd und die Hüterin der Frauen und Kinder.

Apollon,   

Gott der Pest, Heilgott, Gott des Lichts, der Heilung, des Frühlings, der sittlichen Reinheit und Mässigung sowie der Weissagung und der Künste, insbesondere der Musik, der Dichtkunst und des Gesangs.

Aphrodite,  

die schaumgeborene Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde.

Athena,  

ist die Göttin der Weisheit, der Strategie und des Kampfes, der Kunst, des Handwerks und der Handarbeit sowie Schutzgöttin und Namensgeberin von Athen.

Hephaistos,

war für die das gesamte künstlerische Spektrum der Metallverarbeitung zuständig, einschliesslich der Herstellung von Geschmeide, Waffen, sakral-rituellen und profanen Gebrauchsgegenständen.

 

Als Halbgötter gelten:

Dionysos,  

Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit und der Ekstase (Dionysien). Er wurde von den Griechen und Römern wegen des Lärmes, den sein Gefolge veranstaltete, auch noch Bromios (Lärmer), Bakchos oder Bacchus (Rufer) genannt. In der Poesie wird er auch oft als Lyäus „der Sorgenbrecher“ bezeichnet.

Die Dioskuren,  

"Söhne des Zeus", Castor und Pollux helfen Seefahrern in Not und, wenn sie hoch zu Ross erscheinen, verkünden sie den Sieg im Kampf. Schutzherren Spartas.

Herakles,   

war Heil- und Orakelgott, Beschirmer der Gymnasia (Sportstätten) und Paläste.

Prometheus,  

„der Vorausdenkende“ ist der Freund und Kulturstifter der Menschheit. Oft wird er auch als Schöpfer der Menschen und Tiere bezeichnet, so z. B. bei Platon und Ovid (Metamorphosen, 1, 78ff). Es lassen sich bei ihm, dem Feuerbringer und Lehrmeister der Menschen, vor allem Gemeinsamkeiten mit Hephaistos, aber auch mit Apollon und Athene entdecken. Von seinen Beinamen sind Pyrphoros („Feuerbringer“) und Desmotes („Gefesselter“) bekannt.


Göttliche Kräfte und Mächte besitzen:

Musen,  

Schutzgöttinnen der Künste.

Nymphen,   

wohltätige Geister der Orte, Berge, Bäume, Wiesen oder Grotten, führen Tänze auf, jagen das Wild, weben in kühlen Grotten, pflanzen Bäume und sind auf verschiedene Weise den Menschen hilfreich.

Satyrn,   

Dämonen im Gefolge des Dionysos. Sie gehören zu den Mischwesen der griechischen Mythologie.

Moiren,  

Schicksalsgöttinnen.


Quelle :  http://www.die-goetter.de/stammbaum-griechische-goetter     

 

Der Trojanische Krieg.

Schon in der Antike rätselten die Autoren über das noch in der mythischen Zeit liegend Datum der Belagerung Trojas. Über verschiedene Genealogien von Königen sollte die richtige Dekade gefunden werden. Die Resultate: Ephorus 1135 v. Chr., Sosibios 1172 v. Chr., Eratosthenes 1184 bzw. 1183 v. Chr., Timaios 1193 v. Chr., die Parische Chronik 1209 / 1208 v. Chr., Dikaiarchos 1212 v. Chr., Herodot um 1250 v. Chr., Eretes 1291 v. Chr. und Duris 1334 v. Chr. an. Ephorus nennt als exakten Tag den 23. / 24. Thargelion (6. / 7. Mai) und Hellanikos den 12. Thargelion (26. Mai), wogegen andere auf den 23. Skirophorion (7. Juli) oder 23. Pyanepsion (7. Oktober) datieren.

Am trojanischen Ränkespiel nahm „Tout Grèce“ teil. Aus dem Olymp mischten Athene, Eris, Hera, Hephaistos, Hermes, Thetis, Poseidon, Aphrodite, Apollon, Ares, Artemis, Leto und Skamander mit ihrer göttlichen Macht in die Kriegstragödie ein. Auf griechischer Seite kämpften 39 Heroen von Achilleus dem Anführer bis zu Thersites dem Lästermaul, der von Achilleus erschlagen wurde. Auf Trojanischer Seite kämpften 42 Heroen vom Romgründer Aeneas bis zu Troilos dem jüngsten Prinzen von Troja.

 

Das „Urteil des Paris“.

Die schönen Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite waren zusammen mit den übrigen olympischen Göttern zur Hochzeit des sterblichen Helden Peleus mit der Göttin Thetis eingeladen. Eris, die hinkende Göttin der Zwietracht, war als einzige Olymp-Bewohnerin nicht eingeladen. Ihrer Streitsucht folgend warf sie einen goldenen Apfel mit der Inschrift „Für die Schönste“ in die Hochzeitsgesellschaft. Sofort zankten Hera, Athene und Aphrodite um den Schönheitspreis des goldenen Apfels (sprichwörtlich „Zankapfel). Sie baten Zeus als Juror, zu entscheiden, welche von ihnen die Schönste sei. Klugerweise wollte Zeus kein Urteil fällen, da Aphrodite und Athene seine Töchter und Hera seine Ehefrau und Schwester waren. Er legt das heikle Urteil in die Hand eines Sterblichen: Paris, der unschuldige  schöne Jüngling, verstossener Sohn des trojanischen Königs Priamos, ausgesetzt von seiner Mutter Hekabe danach von einer Bärin gesäugt, unter Sklaven aufgewachsen und später Heirat mit der Nymphe Oinone, eine Tochter des Flussgottes Kebren, soll die Chose richten.

Alle drei Göttinnen versuchten Paris’ Gunst durch Bestechung zu erlangen: Hera versprach politische Macht und Dominanz in Asien, Athene Weisheit und Kriegsglück. Aphrodite jedoch las Paris’ Wünsche am klarsten, indem sie ihm die schönste Frau auf Erden versprach, nämlich Helena. Diese war allerdings bereits die Frau des Königs Menelaos von Sparta. Schliesslich sprach Paris den goldenen Apfel Aphrodite zu, womit er sich den Zorn der anderen beiden Göttinnen zuzog. Diese versuchten nun, ihm zu schaden, wo sie konnten.

 

Damit begann sich der Albtraum von Paris Mutter langsam zu erfüllen. Hekabe träumte vor der Geburt des Paris, dass sie eine brennende Fackel gebäre, die ganz Troja in Brand setzen werde. Aisakos der Traumdeuter bestätigte die Traumbotschaft und riet das Kind auszusetzen.

Als Paris nun die schöne Helena traf, erfüllte Aphrodite ihr Versprechen sie schickte einen Liebeszauber zu Helena, der dafür sorgte, dass Helena sich unsterblich in Paris verliebte. Ihrer Liebe drohte aber ernste Gefahr und so flohen sie nach Troja und hofften dort untertauchen zu können.

Der Raub der schönen Helena löste eine Generalmobilmachung aus. Unter dem Heerführer Agamemnon zog das vereinigte griechische Heer gegen Troja, sehr zur Freude der Göttinnen Hera und Athene.

 

Das Trojanische Pferd.

Die Griechen belagerten Troja neun Jahre lang bis sie auf die Idee mit dem Holzpferd kamen. Sie zimmerten ein Pferd in dessen Bauch eine Handvoll Krieger platz fanden und stellten das Holzpferd als Lockvogel vor das trojanische Stadttor. Kassandra („die, die Männer umwickelt“) warnte die Trojaner das Tor zu öffnen und das griechische Holzpferd in die Stadt zu ziehen, aber sie stand unter dem Fluch des Apollon, dessen Liebeswerben sie zurückgewiesen hatte, dass sie zwar richtige Voraussagen machen konnte, aber ihr nie jemand glauben würde.

Um die Gegner im bevorstehenden Kampf ihres göttlichen Schutzes zu berauben, schlich Odysseus als Bettler verkleidet in die Stadt. Helena erkannte ihn, grosses Heimweh trieb sie Odysseus den Weg zum Palladion zu zeigen und ihm die Wachen zu verraten. Dank Helenas Hilfe gelang der frevelhafte Raub und künftig mussten sich die Trojaner ohne göttlichen Beistand verteidigen.

In der Nacht kletterten die griechischen Kämpfer aus ihrem Versteck, öffneten die Tore, die eindringenden Horden konnten so die Trojaner mühelos überwältigen und Troja in Brand setzen. Gnadenlos setzten die Griechen den Fliehenden nach und töteten sie. Paris wurde von einem vergifteten Pfeil getroffen. Leidend schleppte er sich auf den Berg Ida zu Oinone, seiner ersten Ehefrau, und bittete sie, ihn mit dem Gegengift, das sie besass, zu retten. Aus Zorn darüber, dass er sie einst Helenas wegen verlassen hatte, verweigerte sie Paris jegliche Hilfe. Qualvoll erlag Paris seiner Vergiftung. Oinone aber wurde von Reue, ihm nicht geholfen zu haben, überwältigt; sie liess für Paris einen Scheiterhaufen schichten und sprangt zu ihrem geliebten Toten in die Flammen. Paris Witwe Helena fiel als Ehefrau an dessen nächst jüngeren Bruder, Deiphobos.

Eine Feuerpost mit unzähligen Leuchtfeuern verkündete den Sieg über hunderte von Kilometern bis nach Agros.

Aeneas gelang die Flucht nach Italien, wo ihm eine trächtige Sau zeigte, an welcher Stelle er Rom errichten soll. Dank Aeneas göttlicher Abstammung (Mutter Aphrodite), brüstete sich noch nach Jahrhunderten Gaius Iulius Caesar mit seiner „göttlichen Abstammung“.

Neben Homers Ilias und Odyssee finden sich weitere antike Quellen, die Homers Darstellung ergänzen. Unter ihnen hervorzuheben sind der epische Zyklus, der die Vor- und Nachgeschichten des Trojanischen Krieges enthält, die Aeneis des Vergil sowie die beiden spätlateinischen Berichterstatter Dictys Cretensis mit seiner Ephemeris belli Trojani (4. Jahrhundert) und Dares Phrygius mit seinen Acta diurna belli Trojani (5. Jahrhundert). Vom Mittelalter bis zu Shakespeare waren die drei letzteren Texte das Fundament aller literarischen Bearbeitungen des Trojanischen Krieges und noch Goethe griff in seinem Plan für eine Achilleis darauf zurück.

Zu erwähnen ist auch noch Christa Wolfs Erzählung, die 1983 in der DDR verfasst wurde, Kassandra (Christa Wolf), in der sie als Beispiel für weibliches Schreiben die weibliche, matriarchalische Sicht Kassandras und im Endeffekt ihrer Selbst auf die Ereignisse des trojanischen Krieges und schliesslich auch auf die Gegenwart schildert. So wird Troja zur Parabel für den Untergang des sozialistischen Europas.



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